Das Ende der Kellerpromenade

Sebastian Preuss
2 Min

Mit großem Getöse wurde 1999 der Masterplan für die Museumsinsel verkündet. Gerhard Schröder erhob die Sanierung und Neuordnung der Gebäude zur zentralen deutschen Kulturaufgabe. Vor allem, so sprach er damals, müsse die Sanierung innerhalb eines Jahrzehnts abgeschlossen sein. Doch haben sich die Zeiten geändert; die öffentlichen Kassen sind endgültig leer und das Ende der Inselsanierung rückt in immer weitere Ferne. Ja, die Situation ist mittlerweile so, dass sich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Kulturstaatsministerin Christina Weiss jetzt, wie gestern gemeldet, über die Maßen freuen müssen, im Pergamonmuseum überhaupt mit der Planung anfangen zu dürfen. Das Bundesfinanzministerium hatte immer wieder gemauert und die Notwendigkeit nicht so recht eingesehen, das Pergamonmuseum in eine zentrale, unterirdische Besuchererschließung und eine häuserübergreifende "Archäologische Promenade" einzubinden. Jetzt einigte man sich schließlich doch noch, wohl nicht zuletzt unter dem Eindruck der großen Bauschäden, die im Juni sogar zu einer zweiwöchigen Sperrung des mit 800 000 jährlichen Besuchern beliebtesten Museums Berlins geführt hatten.In zwei Jahren sollen nun zwei Alternativkonzepte entwickelt werden, die große Lösung, wie sie der Masterplan vorsieht, und eine abgespeckte Variante, bei der die Stiftung aber auf drei Prämissen unbedingt beharrt: Die monumentalen Architekturteile der Ägyptischen Sammlung sollen im Pergamonmuseum Platz finden; in dessen Hauptgeschoss soll ein geschlossener Rundgang entstehen, was einen vierten Flügel zum Kupfergraben notwendig macht; und die Anschlüsse zur unterirdischen Erschließungsebene sollen wenigstens angelegt werden und hier alle Optionen offen halten.Auch wenn sich dazu öffentlich bislang niemand äußern will - in der minimierten Version, die der Architekt Oswald Maria Ungers jetzt entwerfen soll, wird die "Archäologische Promenade" wahrscheinlich gar nicht mehr vorkommen. Wie es aussieht, könnte der Sparzwang damit ein Vorhaben zu Fall bringen, dessen Wert ohnehin nie so recht zu erkennen war. Warum sollen die Besuchermassen von den eigentlichen Sammlungen in spezielle Themenrundgänge im Keller abgelenkt werden? Es ist eine jener modischen Obsessionen, die in zehn Jahren niemand mehr haben will. In Dresden etwa ist man weiter und denkt nicht im Traum daran, im Schloss eine Erlebnis-Tour parallel zu den Sammlungen einzurichten. Der Besucher gilt hier noch als mündig genug, sich seinen eigenen Weg auszudenken. In Berlin braucht es zu dieser Erkenntnis offensichtlich die Macht der Budgetgrenzen.

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