Folgt man ihrem Intendanten, dann hat die schweifende Programmpolitik der Berliner Festspiele ihr Ziel jetzt gefunden. Sie findet es, wie Joachim Sartorius gestern erklärte, im "Berliner Musikfest", das erstmals stattfindet im September. Das "Berliner Musikfest 05" ersetzt "Konzerte Oper 04", welches seinerseits im vergangenen Jahr die Berliner Festwochen ersetzt hatte.Ein schweifend gefundenes Ziel muss noch keine Neuerung darstellen, und das "Berliner Musikfest 05" ist auch keine. Es führt in der Philharmonie räumlich und zeitlich konzentriert namhafte Orchester aus der Welt und aus Berlin vor, ergänzt um ein kammermusikalisches Programm. Dazu gehen die Festspiele mit den Berliner Philharmonikern eine Partnerschaft ein.Wer Musik mag, der darf sich schöne Konzerterlebnisse versprechen. Es gibt einen Schwerpunkt auf der Musik Leos Janaceks. Zu sagen, osteuropäische und mittelosteuropäische Musik werde hier als Thema vorgestellt, wäre zwar übertrieben, doch gibt es Musik auch von Sofia Gubaidulina, Antonín Rejcha, Josef Suk, Iva Bittova, György Ligeti und György Kurtag.Wie oft bei den Vorstellungen der Festspiel-Programme, ging auch von der Pressekonferenz am Dienstag der Eindruck des Matten aus. Es ist schon wahr, dass Orchester wie das New York Philharmonic, das Concertgebouworchest oder die Tschechische Philharmonie nicht oft in Berlin zu erleben sind. Schön, dass sich ihr Kommen hat organisieren lassen. Aber die fundamentale Frage, warum der Bund Festspiele in Berlin unterhält, ist durch das "Berliner Musikfest" noch immer nicht beantwortet. Weder liegt im Auftreten von Orchestern etwas, was es in Berlin bislang nicht gäbe, noch hat das Festival eine Idee, die über das Versammeln interessanter Aufführungen hinausreichte. Interesse am Gesellschaftlichen oder Diskursiven der Tonkunst gibt es nicht. André Hebbelinck, der Künstlerische Leiter des Festivals, erklärte in freundlicher Offenheit, die Veranstalter hätten, auch wegen der Sachzwänge, nur eine "bescheidene Ambition" entwickelt. Immerhin fiel der bescheidenen Ambition die Konzentration auf das 20. Jahrhundert zum Opfer, die "Konzerte Oper 04" noch ausgezeichnet hatte.Joachim Sartorius beschwichtigte nach der Erwähnung zweier Uraufführungen, es werde nicht zu anstrengend werden, das ganze sei als Fest gedacht. Damit ist recht präzise die "Sehnsucht nach Glanz" und nach "Gastspielen aus dem High-Class-Bereich" bedient, die im Sommer 2003 Christina Weiss, die politische Vorgesetzte Sartorius' befallen hatte. Am Ziel der Umbauten steht also eine Restauration. Im gleichen Sinn sind die Festspiele mit der Philharmonie die institutionellen West-Bindungen wieder eingegangen, die sie zu ihrer Gründung 1951 noch natürlich hatten.
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