Am Abend, gegen 19 Uhr, als die Feuerwehr den Brand unter dem Dach der Philharmonie unter Kontrolle hat, ist Intendantin Pamela Rosenberg "erleichtert und dankbar". Erleichtert, weil sich nach einer ersten Einschätzung von Feuerwehr-Einsatzleiter Harald Herwig die Brandschäden an dem weltberühmten Scharoun-Bau in Grenzen halten. Und dankbar, dass die Berliner Löschprofis es vermutlich geschafft haben, auch größere Löschwasserschäden zu vermeiden. Bei einer Begehung des großen Saals am Abend hieß es jedenfalls: alles trocken. Lediglich in den Foyers wurden Wasserrinnsale gesichtet, die ihren Weg vom Dach ins Gebäude gefunden hatten. Auch Brandgeruch war kaum feststellbar.Der spektakuläre Brand ging offenbar relativ glimpflich aus - auch wenn es zwischenzeitlich anders aussah. Fünf Stunden kämpfte die Feuerwehr mit 14 Löschzügen und fast 200 Beamten, um der Situation Herr zu werden. Das Problem: Der Brand hatte sich verdeckt zwischen der äußeren Dachhaut und der komplex geformten, abgehängten Innendecke der Philharmonie ausgebreitet. Vermutlich brannte Dämmmaterial. Das Dach schwingt sich zudem bis zu einer Höhe von 50 Metern auf, die Leitern und Steiger der Feuerwehr reichten jedoch nur bis an den unteren Dachbereich in 30 Metern Höhe. Von dort aus mussten die Brandbekämpfer sich auf dem heißen Dach bei dichtem Qualm an mögliche Brandnester unter dem Dachblech heranarbeiten. Aufnahmen mit Wärmebildkameras zeigten ihnen Stellen, an denen Temperaturen von 1 000 Grad herrschten. Die Feuerwehrleute rissen die Dachhaut mit Trennschleifern auf, mussten dabei aber behutsam vorgehen, weil die Sauerstoffzufuhr aus einem Schwelbrand ein offenes Feuer zu machen drohte.Erschwerend kam hinzu, dass man möglichst wenig Löschwasser verwenden wollte, um die sensible Innenausstattung des Gebäudes nicht in Mitleidenschaft zu ziehen. Soweit möglich, setzte man Schaum als Löschmittel ein. Als möglicherweise günstiger Umstand erwies sich, dass die innere Saaldecke, die bis zur Sanierung Ende der 80er-Jahre aus Rabitz (Putz) bestand, durch eine solidere Betonverkleidung ersetzt worden war. Diese innere Betondecke hat - so jedenfalls die Einschätzung der Feuerwehr gestern Abend - unter Umständen verhindert, dass Flammen und Löschwasser sich nach unten in den großen Konzertsaal ausbreiten konnten. Insofern erwies sich die Decke, um deren Einbau es seinerzeit eine erbitterte Auseinandersetzung gegeben hatte, möglicherweise als rettendes Element für den weltbekannten Saal.Damals war darum gestritten worden, ob die neue Betonkonstruktion die sensible Akustik des Saales verändern würde. Denn die Decke ist nur eine dünne Schale, die an der Dachkonstruktion hängt. Sie schwingt mit, sagten die Akustiker. Ganz traute man der Betondecke gestern aber auch nicht. Vorsichtshalber deckte man abends einige Sitzblöcke im Saal mit Plastikplanen ab - für den Fall, dass doch noch Löschwasser nach unten sickert.------------------------------Gefährliche BauarbeitenBrände bei Bauarbeiten in öffentlichen Gebäuden gab es immer wieder.Oktober 1994: Nach Bitumenverklebearbeiten brennt die Kuppel des Deutschen Doms auf dem Gendarmenmarkt. Es entsteht ein Millionenschaden.Oktober 1998: Am Eröffnungstag des Forums Zehlendorf am Teltower Damm steht ein Sportgeschäft in Flammen. Ursache: Schweißarbeiten.Juni 2005: Auf dem Dach der Reinhold-Burger-Oberschule in Pankow bricht Feuer aus.Februar 2007: Brand auf dem Dach des Finanzamtes Friedrichshain-Kreuzberg am Mehringdamm.------------------------------Foto: Während auf dem Dach Feuerwehrleute die Flammen bekämpfen, decken Arbeiter die Sitzreihen im großen Saal mit Folien gegen das Löschwasser ab.
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