Im Goya braucht man beim Essen etwas Glück. Das muss feststellen, wer sich zum Testbesuch in den Club am Nollendorfplatz nach Schöneberg aufmacht. Schließlich wird hier gegessen, was auf den Tisch kommt, da gibt es keine Auswahl. Zudem sitzt man so dicht an dicht auf einer Nobelvariante von Bierbank, dass man auch Glück mit seinen Tischnachbarn braucht.Gut also, dass Nebenmann und Nebenfrau sich an diesem Donnerstag als reiche Hamburger Gourmets entpuppen, mit denen sich wunderbar über Gastroexperimente wie dieses hier fachsimpeln lässt. "Das ist ja etwas ganz aufregend Neues", finden die beiden, die von einer Kritik des Magazins Feinschmecker hergelockt wurden. In der Tat ist es ein einzigartiges Ess-Event, das da nun in dem neuen Aktionärsclub zelebriert wird. Txoko nennt sich das Ritual und es kann durchaus an die Internatsessen von Harry Potter erinnern, wie sich da Punkt 20 Uhr auf der Tanzfläche Aktionäre und Nicht-Aktionäre gemeinsam unter Kronleuchtern zum baskischen Mahl versammeln.Heute wird erst pochierte Forelle auf Rote-Bete-Salat serviert, es folgt Hirschkalbsschulter an Pimientos. Das ist alles sehr raffiniert, und die Hamburger, die eigentlich keine Forelle mögen, sind voll des Lobes, vor allem für den Service und den Wein. "Kommen Sie doch mal zu uns an die Alster Tretbootfahren", sagt der Mann nach dem dritten Glas.Mit dem Essen scheint dem Goya ein guter Start gelungen, auch wenn noch einer von vier langen Tischen unbesetzt ist. Allerdings ist da noch die Sache mit der Musik, genauer mit der Weltmusik, zu der die Gäste nach dem Essen tanzen sollen. "Was ist das?", fragen die Hamburger. Die Antwort "alles, was südamerikanisch, balkanisch und afrikanisch" klingt, kann sie nicht überzeugen. Dann scheucht der Zeremonienmeister einen vom Tisch auf, keine Zeit für Espresso. Die Hamburger wagen einen Tanz auf einer ziemlich leeren Tanzfläche, auf der vor kurzem noch die Tische standen. Dann ist das Pärchen verschwunden.Stattdessen steht da Peter Glückstein, der Club-Chef und redet auf einen ein als wäre es wirklich dringend. "So leer war das hier noch nie am Donnerstag, ehrlich", sagt er und gibt zu, dass dieser Wochentag noch "ein Problem" ist. "Sie müssen unbedingt am Samstag wieder kommen, da kommt man kaum rein." Da vergnügten sich dann mehr als 2 000 Leute im Goya. Und dann soll auch die Sache mit der Weltmusik funktionieren, die jetzt gerade in Form von Santana vor sich hinplätschert. Warum also die Panik in Glücksteins Augen?Vielleicht liegt es an den Reaktionen auf den Brief, den er seinen Aktionären schrieb und der dann öffentlich wurde. Von Startschwierigkeiten war die Rede, von Schwächen bei der Akustik. Jetzt soll eine neue Musikanlage her, das Licht soll optimiert werden. Die Wände haben schon einen neuen Anstrich bekommen. "Schauen Sie, hier, das Parkett muss man zum Beispiel noch versiegeln", erläutert er.In der Tat ist der Boden angesichts der kurzen Öffnungszeit erstaunlich abgenutzt. Eigentlich ein gutes Zeichen. Noch muss man sich wohl keine Sorgen um den Club machen.------------------------------Das Goya hat Do, Fr, Sa von 18 bis 5 Uhr geöffnet. Ab 22 Uhr kostet es zehn Euro Eintritt. Das Abendessen ist inklusive Wasser und zwei Gläsern Wein für 35 Euro zu buchen unter der Nummer 25 75 99 74------------------------------Foto : Ein bisschen wie in der Muppet-Show: Im Goya kann man von Emporen auf die Tänzer hinabschauen und Witze machen.
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