Gedenken

Das Haus, in dem Jurek Becker die TV-Serie „Liebling Kreuzberg“ erfand

Vermutlich vor 85 Jahren ist der Schriftsteller Jurek Becker geboren. Berühmt wurde er durch „Jakob der Lügner“. In Berlin erinnert nun eine Gedenktafel an ihn.

Cornelia Geißler
Cornelia Geißler
3 Min
Klaus Lederer und Christine Becker enthüllen am Dienstagnachmittag die Tafel, ein Vertreter des Sponsors Gasag schaut zu. 

Klaus Lederer und Christine Becker enthüllen am Dienstagnachmittag die Tafel, ein Vertreter des Sponsors Gasag schaut zu. 

© Sabine Gudath

Das Haus steht in keiner richtigen Straße. Es ist ein Ort ohne Autos, versteckt hinterm Yorck-Kino, im gemütlichen baumbestandenen kopfsteinbepflasterten Riehmers Hofgarten. Hier, in der Hagelberger Straße 10c, ist eine Berliner Gedenktafel angebracht. Am Dienstagnachmittag wurde sie mit Reden eingeweiht: Christine Becker, die Witwe des 1997 an Krebs verstorbenen Schriftstellers Jurek Becker, hatte die Aufgabe, ein weißes Tuch wegzuziehen, um das Erinnerungsstück der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die war gar nicht so knapp vertreten, der einstige Regierende Bürgermeister Walter Momper war da, die Schriftsteller Peter Schneider und Joachim Sartorius, die Leiterin des Literaturarchivs der Akademie der Künste, der Chef des Suhrkamp-Verlags und eine ganze Menge weitere, bei den Reden oft wissend lächelnde Zuhörer. Die für einen solchen Anlass üblichen Ansprachen enthielten nämlich dank ihres Helden eine Menge Freundlichkeit, sogar ein bisschen was zum Lachen.

Jurek Becker ist erst nach dem Zweiten Weltkrieg zum Berliner geworden, nach der Haft in den Konzentrationslagern Ravensbrück, Sachsenhausen, Königs Wusterhausen. Aufgewachsen ist er im Ghetto von Lodz, wohin seine Eltern nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 deportiert wurden, denn sie waren Juden. Seinen Geburtstag kannte er nicht, wahrscheinlich war er vor 85 Jahren, seine Eltern hatten ihn oft älter gemacht, um ihn zu schützen. Neben einer früh emigrierten Tante waren er und sein Vater die einzigen Überlebenden der Familie.

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Jurek Becker wohnte in verschiedenen Straßen Berlins, legendär wurden die Jahre, die er zusammen mit dem Schauspieler Manfred Krug in Pankow verbrachte, beide erzählten später davon. Und beide gingen 1977 in den Westen, sie gehörten zu den Ersten, die gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR protestierten. Da war Jurek Becker längst ein weltberühmter Autor, durch den Roman „Jakob der Lügner“, doch der verkniffene Staat hatte fortan Probleme mit seinem Werk.

In der Hagelberger Straße lebte er von 1980 bis 1994, lernte den damals noch gemütlicheren Kiez kennen und schrieb dort die Drehbücher für die Fernsehserie „Liebling Kreuzberg“ mit seinem alten WG-Gefährten Manfred Krug in der Hauptrolle. Dass ausgerechnet die beiden Ostler dem deutschen Fernsehpublikum Zeugnis vom Leben in West-Berlin ablegten, das lobte der Kultursenator Klaus Lederer als Ironie der Geschichte.

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