Fontane, Initiator des märkischen Tourismus, hat mit seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" unscheinbaren Fleckchen eine literarische Identität verliehen. Zum Beispiel Ribbeck. Ein winziger Ort im Havelland, der auf der Karte kaum zu finden ist, wurde mit einem Gedicht geadelt, und eine Landschaft wie das Havelländische Luch ein ehemaliges Sumpfgebiet, das Friedrich Wilhelm II. trockenlegen ließ kam durch den Roman "Effi Briest" zu ungeahntem Ruhm. Auch in den "Wanderungen" kommt das Havelland zu seinem Recht: "Die Havel, um es noch einmal zu sagen, ist ein aparter Fluß", heißt es da. "Das Stückchen Erde, das sie umspannt, eben unser Havelland, ist ( ) die Stätte ältester Kultur in diesen Landen. Hier entstanden, hart am Ufer des Flusses hin, die alten Bistümer Brandenburg und Havelberg. Und wie die älteste Kultur hier geboren wurde, so auch die neueste. Von Potsdam aus wurde Preußen aufgebaut, von Sanssouci durchleuchtet." Mehr als für die Städte interessiert sich Fontane für die Seen, Dörfer und Schlösser in der näheren Umgebung von Potsdam. Man sollte sich einen Tag Zeit nehmen und mit dem Fahrrad oder Auto einige der Stationen abfahren. Dann bekommt man einen Eindruck von der Landschaft, wie sie Fontane gesehen hat und wie sie heute ist. Zum Beispiel vom Schwielowsee: "Unter allen unsren Seen kommt er dem Müggelsee am nächsten", heißt es in den Wanderungen. "An Fläche und Ausdehnung diesem Könige der märkischen Gewässer nah verwandt, weicht er im Charakter doch völlig von ihm ab. Die Müggel ist tief, finster, tückisch die alten Wendengötter brauen unten in der Tiefe; der Schwielow ist breit, behaglich, sonnig und hat die Gutmütigkeit aller breit angelegten Naturen " Tatsächlich: Wenn man heute südlich von Potsdam am Templiner See vorbei zum Schwielowsee fährt, empfängt einen ein freundliches Gewässer. Sein Ufer lädt zum Spazierengehen ein, und die Ausflugslokale, die sich bei Ferch aneinanderreihen, füllen allein schon wegen des Blicks aufs Wasser ihre Terrassen. Auch in früheren Zeiten war der Schwielowsee beliebtes Ziel von Landpartien. Kurfürstin Dorothea und Königin Sophie Charlotte kamen regelmäßig mit dem Schiff und verlustierten sich im Schloß von Caputh. Caputh, das zu Fontanes Zeiten "eines der größten Dörfer der Mark" war, nannte er sogar "Chicago des Schwielowsees". Von der damaligen Aufbruchstimmung ist heute nicht mehr viel zu spüren. Doch neben dem Sommerhaus von Albert Einstein ist seit kurzem wieder das Barockschloß von Caputh zu besichtigen. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten strahlen die Fassaden in Ocker und Weiß. Im Inneren kann man den Fliesensaal, den Festsaal mit prachtvollen Deckenmalereien und das Schlafgemach des Großen Kurfürsten bewundern. Schräg gegenüber von Caputh liegt ein anderes Schloß: "Wie Buda-Pest, oder wie Köln und Deutz ein Doppelgestirn bilden, so auch Caputh und Petzow", steht in den "Wanderungen". Man fährt eine ganze Weile auf der kleinen Landstraße um den See herum, bis man in Petzow ankommt. Aus der Nähe wird deutlich, daß die Schlösser völlig unterschiedlich sind. Petzow ist eine "Mischung von italienischem Kastell- und englischem Tudorstil", die auch Fontane nicht sonderlich überzeugte. Ihm gefiel vor allem die Parklandschaft am See: "Der Park ist eine Schöpfung Lennés. An einem Hügelabhang gelegen wie Sanssouci, hat er mit diesem den Terrassen-Charakter gemein. Wenn aber Sanssouci bei all seiner Schönheit einfach eine große Wald-Terrasse mit Garten und Wiesengründen bietet, so erblickt man von dem Hügelrükken des Petzower Parkes aus eine imposante Wasser-Terrasse, und unser Auge, zunächst ausruhend auf dem in Mittelhöhe gelegenen, erlenumstandenen Park-See, steigt nunmehr erst auf die unterste Treppenstufe nieder auf die breite Wasserfläche des Schwielow." Kulturelles Herzstück des Havellands ist für Fontane Lehnin. Von Werder aus führt die Straße über Glindow und Busendorf (Radfahrer über Bliesendorf) zum ältesten Kloster der Mark. Heute empfängt uns hier ein Komplex aus roten Backsteingebäuden. Mehr als die Geschichte interessierten den Romancier die Geschichten um das Kloster. Zum Beispiel die Sache mit den Särgen: "Elf Askanier lagen hier und einträchtig neben ihnen drei aus dem Hause der Hohenzollern, Friedrich mit dem Eisenzahn, Johann Cicero und Joachim I. " Als ihre Särge 1536 nach Berlin abtransportiert wurden, war es auch mit Lehnin vorbei. "Der Krieg kam und begann sein Werk der Zerstörung ( ). Kloster Lehnin wurde nun ein Steinbruch für Büdner und Kossäten, und Haue und Pickaxt schlugen Wände und Pfeiler nieder " Heute ist es wieder ein friedlicher Ort im Havelland, wo sogar Übernachtungsgäste willkommen sind.
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