Das in der Liga kriselnde Team von Werder Bremen schafft im Uefa-Cup ein 1:1 gegen Milan

Diego bringt Hoffnung

Markus Lotter
4 Min

BREMEN. Zehn Minuten vor dem Spielende, unmittelbar nach einem äußerst unglücklichen Schussversuch von Alexandros Tziolis und einem Fehlpass von Naldo, schlug plötzlich Liebe in Ablehnung um. Der Soundtrack bestand vier Minuten lang aus heftigen Unmutsäußerungen der Bremer Anhänger, bis endlich Stimmungsmacher Diego einschritt und nach einer Kopfballvorlage von Hugo Almeida doch noch den Ausgleich zum 1:1 (0:1) gegen den AC Mailand erzielte (84.). Ein Remis, das den Bremern, die nach einem Freistoß in der Schlussminute sogar noch über einen Pfostentreffer klagen durften, wenigstens die Hoffnung auf ein Fortkommen ins Achtelfinale des Uefa-Cups zurückgab."Ein 1:1 gegen den AC Mailand ist nicht schlecht, aber auch nicht gut genug für den Aufwand, den wir betrieben haben", sagte Trainer Thomas Schaaf.An einem frostigen Februarabend, wie es dieser 18. des Jahres 2009 war, hat das Bremer Weserstadion von außen betrachtet immer noch die magische Gestalt eines gewaltigen Kraftwerkes. Aus den Lüftungsschächten steigt weißer Rauch dem Wind nach in das Schwarze. Das Licht der mächtigen Schweinwerferlampen durchbricht von vier Seiten die eisige Luft, die weitgehend ungehindert in das Innere des Freiluftstadions strömt. Vor den Buden drängen sich die Zuschauer um Wurst und Bier. Flutlichtspiele haben in Bremen immer wieder für das Beste im Fußball gesorgt.Lombardisches KorsettLeise Zweifel, dass die Fabrik auch an diesem 18. Februar 2009 Bemerkenswertes produziert, kamen einem beim Studium der Aufstellungen. Was weniger an der Bremer Liste lag, die immerhin Claudio Pizarro und Diego führte. Nein, AC Mailands Trainer Carlo Ancelotti, machte den Eindruck, sich gegen ein Spektakel wehren zu wollen. Jedenfalls hatte er mit Paolo Maldini, Marek Jankulovski, Kakha Kaladze und Hollywood-Verweigerer David Beckham die schönste Bank der Welt zusammengestellt. Allerdings war Milans erste Elf immer noch von Namen durchsetzt, die Genuss und Klasse versprechen.So brauchten Andrea Pirlo, der italienische Weltmeister, Matthieu Flamini, der Brasilianer Ronaldinho und der Niederländer Clarence Seedorf gerade Mal zehn Minuten, um Bremens Leidenschaft in ein lombardisches Korsett zu zwängen. Dabei kam ihnen natürlich zu pass, dass Alexandros Tziolis nach einem Eckball in der 2. Minute freistehend vor Milans Torhüter Dida die Angst vorm Torschuss packte. Sein Versuch passte in die Kategorie "kläglich". Dabei wäre den verunsicherten Bremern nichts hilfreicher gewesen als dieses frühe Erfolgserlebnis gegen den Großklub aus der Serie A, der seinerseits durch Flaminis Schuss aus 14 Metern seine erste Chance zu verzeichnen hatte (15.). Es parierte jedoch Tim Wiese, der als Ausnahme noch diese stolz geschwellte Bremer Brust trägt, die früher kennzeichnend für einen Großteil der Mannschaft war. Wiese durfte in der Folge beobachten, wie sich seine Vorderleute unverdrossen um eine Lockerung des Korsetts bemühten. Eifrig waren sie dabei, allerdings nie richtig zwingend. Und wenn sich Milan um ein Pressing bemühte, waren Fehler die Konsequenz, die Bremen zum Tabellenzehnten der Bundesliga absteigen ließen. Ein unfassbar leichtfertiger Fehler von Clemens Fritz führte zum 0:1 durch Filippo Inzaghi. Unangebracht, dass Fritz in der 36. Minute eine spielerische Lösung suchte, damit Flamini einsetzte, dessen Hereingabe Inzaghi im Nachsetzen verwertete. Was bei einem 1:0 für ein italienisches Team zu erwarten ist, folgte: Milan konzentrierte sich in der zweiten Spielhälfte auf die Konservierung der Führung, überließ Werder das Spiel. Das späte 1:1 durch Diego hatte Milan aber nicht eingeplant.------------------------------Uefa-Cup: HSV steht fast im AchtelfinaleVfB Stuttgart: Die Schwaben unterlagen beim Titelverteidiger Zenit St. Petersburg 1:2. Ein 1:0 im Rückspiel würde dem VfB schon zum Einzug ins Achtelfinale reichen. Hamburger SV: Das Team von Trainer Martin Jol siegte souverän 3:0 beim NEC Nijmegen, dem Tabellenneunten aus Holland. Trochowski, Silva und Olic trafen für den HSV. VfL Wolfsburg: Trainer Felix Magath hatte bei Paris St. Germain eine Defensivtaktik verordnet. Diese Taktik ging lange auf. Der VfL unterlag aber mit 0:2 durch späte Tore.------------------------------Foto: Später Jubel: Der Brasilianer Diego schaffte sechs Minuten vor Abpfiff das 1:1 für Bremen gegen Milan.

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