JÜTERBOG. Das Reitstadion von Jüterbog wird zur Skaterbahn umgebaut. Das haben die Stadtverordneten der Kommune im Landkreis Teltow-Fläming jetzt beschlossen. Schon nächstes Jahr soll die "Fläming Skate Arena" eingeweiht werden und im Jahr darauf Austragungsort für die Deutschen Meisterschaften und die Europameisterschaften im Speedskating werden. Sehr verärgert über diesen Plan sind allerdings die Reiter, die den Grundstein für das Stadion 1958 gelegt hatten und es für ihr traditionsreiches "Michaelismarkt-Turnier" nutzen. Moralisch enteignet fühlt sich Jürgen Pasemann, der Ehrenvorsitzende des Jüterboger Reitvereins. Er ist zugleich auch der Leiter des Turniers, das erst Anfang dieses Jahres von einer Fachzeitschrift zu den schönsten in Deutschland gezählt wurde und zu dem sich regelmäßig die Spitze des deutschen Reitsports in der Stadt einfand. Gegen die Umwandlung des Reitstadions haben auch die Reiterliche Vereinigung, der Landessportbund und der Landesverband Pferdesport protestiert. "Das Turnier dauert nur drei, vier Tage", sagt Jüterbogs Bürgermeister Bernd Rüdiger. "Ansonsten ist da tote Hose." Aber die Stadt, der die Fläche gehöre, müsse das ganze Jahr lang für den Unterhalt des Stadions aufkommen. Der Fläming-Skate - ein inzwischen bundesweit bekannter, ungefähr 100 Kilometer langer Rundkurs für Rollschuhfahrer - führe ganz nahe an dem Stadion vorbei. Die Skater könnten das Gelände nach dem Umbau von Frühjahr bis Herbst nutzen. Durch den viel befahrenen Fläming-Skate werde das umgebaute Stadion wesentlich mehr Gäste nach Jüterbog locken als das Reitturnier. "Das war ein in die Zukunft gerichteter Beschluss", sagt der Bürgermeister. Die Stadt werde das Stadion-Gelände nun an die "Fläming Skate GmbH" verpachten, die sich gerade unter der Regie des Landkreises gegründet hat. Der Umbau des Reitstadions wird zwischen 300 000 und 400 000 Euro kosten, sagt Detlef Gärtner, der Beigeordnete des Landrats von Teltow-Fläming. Entstehen soll ein 200 Meter langes und sieben Meter breites Rennoval mit besonders glattem Asphalt. Der Landkreis habe der Stadt zugesichert, die für den Umbau nötige Summe als Fördermittel bereitzustellen. Wer künftig für den Unterhalt der Skate-Arena verantwortlich sei, müsse vertraglich geregelt werden, so Gärtner. Der Landkreis habe sich um die Austragung der Skater-Meisterschaften beworben, drei potenzielle Areale dafür vorgeschlagen und letztlich den Zuschlag bekommen. Am besten geeignet für die Hochgeschwindigkeitsbahn sei das Reitstadion gewesen, sagte Gärtner. Die Anlage sei aber zu klein für eine Doppelnutzung. "Die Reiter sind verständlicherweise frustriert." Für Rolf Ehlers grenzt die Umnutzung des Jüterboger Reitstadions an einen Skandal. Ehlers betreibt in Bremen eine Sportmarketing-Agentur, die zahlreiche Reitturniere bundesweit organisiert und begleitet. "Das Jüterboger Stadion ist eines der schönsten in den neuen Bundesländern", sagt Ehlers. Es sei sogar als Austragungsort für die Deutsche Meisterschaft 1995, die er organisiert habe, im Rennen gewesen. Schließlich sei es wunderbar gelegen und ausgestattet - und wettkampferfahren. Vor 1990 wurden hier mehrfach die DDR-Meisterschaften und Olympia-Ausscheidungswettkämpfe ausgetragen. Beliebt in der ganzen Reitsport-Szene sei das international besetzte Michaelismarkt-Turnier, das immer am letzten September-Wochenende stattfindet. "Es ist mit 40 000 Euro Preisgeld das am höchsten dotierte Freilandturnier Ostdeutschlands", sagt Turnierleiter Pasemann. Der Wettkampf, der in diesem Jahr unter dem Motto "80 Jahre Turnierstandort Jüterbog" steht, wird vom 26. bis 28. September ausgetragen. "Zum letzten Mal", sagt Pasemann, "wenn nicht noch eine geistige Wende eintritt".
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