Eine irrsinnige Summe: Am Wochenende wurde bekannt, dass die US-Regierung die Schätzung der zukünftigen Verschuldung drastisch nach oben korrigieren muss - um 2 000 Milliarden Dollar. Damit könnte man alle Waren und Dienstleistungen Österreichs sechs Jahre lang kaufen. Dabei datierte die vorige Prognose gerade einmal von Mai. Insgesamt rechnet das Weiße Haus nun mit 9 000 Milliarden Dollar Minus zwischen 2010 und 2019. Sicher sind solche Prognosen nicht - es könnte alles auch noch Schlimmer kommen, mit Glück etwas besser.Die Marschrichtung ist allerdings unmissverständlich: Das Land häuft gigantische Schulden an. Niemand weiß auch nur ansatzweise, wann und wie sie zurückgezahlt werden können. Darüber herrscht Konsens, es ist angesichts der Rezession und der enormen Konjunkturpakete eine unvermeidliche Entwicklung. Wie schlimm sie ist, darüber gehen die Einschätzungen dann weit auseinander. Die Beschwichtiger argumentieren, dass die USA im Vergleich zu anderen Ländern noch relativ wenig Schulden haben. Japan und Italien sind ja auch noch nicht zusammengebrochen trotz eines Schuldenbergs, der die jährliche Wirtschaftsleistung übertrifft - dieser Punkt wird für die USA erst zur Mitte des kommenden Jahrzehnts vorhergesagt.Bis auf eine Sonderphase nach dem Zweiten Weltkrieg, als die US-Industrie nach dem kostspieligen Waffengang noch nicht voll von Kampf- auf Konsummittel umgestellt hatte, standen die USA noch nie auch nur annähernd so tief in der Kreide. Der große Unterschied zu damals ist allerdings, dass es diesmal keine Aussichten auf ein kräftiges Wachstum gibt.Zwar sind die US-Firmen und -Arbeitnehmer flexibel. So ist damit zu rechnen, dass die Exportwirtschaft langsam in Gang kommt, die Verbraucher ihre Schulden abbauen und sich die tiefrote Handelsbilanz weiter korrigiert. Doch wo in einem Land, das wie kein anderes wegen seiner Ineffizienz unter der kommenden Ressourcen- und Energieknappheit leiden wird, ein kräftiger Aufschwung herkommen soll, weiß derzeit keiner. Es gibt also keine vielversprechenden Aussichten auf ein überraschendes Ende der Schuldenanhäufung.Für die Mehrheit der US-Bürger sind die Mega-Schulden ein Horror. Sie wünschen sich einen schlanken Staat und niedrige Steuern - genau damit dürfte es jetzt vorbei sein. Aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten wird das Land der unbegrenzten Schulden. Auch wenn es unfair ist, weil die Grundlagen dafür von seinen Vorgängern gelegt wurden: Für Präsident Barack Obama könnte die Schuldenorgie das größte Problem beim Versuch einer Wiederwahl werden.
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