Das Leben der Top-Verdiener

Bert Rebhandl
3 Min

BERT REBHANDL über die Welt der Hochfinanz in "Damages - Im Netz der Macht"Was der Kapitalismus gerade so macht, entzieht sich meist der Vorstellung. In den 1980ern hat uns Michael Douglas mit "Wall Street" an das Klischee gewöhnt, dass Börsenmakler gern Hosenträger tragen und auf nichts so scharf sind wie auf Insider-Informationen. Jetzt lernen wir gerade, dass man Schulden gar nicht mehr bei der Bank hat, sondern beim internationalen Finanzsystem. Bis das Kino und die Fernsehserien dahinterher kommen, wird es eine Weile dauern.In der Zwischenzeit bildet "Damages - Im Netz der Macht" einen spannenden und informativen Zeitvertreib. Gerade ist die erste Staffel (inzwischen heißt es auch im Deutschen Season) dieser Serie herausgekommen. Sie spielt in der New Yorker Welt der Hochfinanz und der abgehobensten Anwälte, als geistigen Hintergrund können wir uns die Jahre des Enron-Skandals denken. Es ist ja auch noch gar nicht so lange her, dass Firmen wie Riesenblasen erschienen, deren Börsenwert unaufhaltsam stieg, bis sich die ganze Sache - und die Pensionsansprüche der Mitarbeiter - in Luft auflösten.Glenn Close spielt in "Damages" die Anwältin Patty Hewes, die eine Sammelklage gegen den Milliardär Arthur Frobisher (Ted Danson) anstrengt. Er soll Aktien seiner Firma zu einem Zeitpunkt verkauft haben, da dies nicht mehr legal war. Sein Vermögen wird auf 2,5 Milliarden Dollar geschätzt, seine Mitarbeiter schauen durch die Finger. Frobisher strebt einen Vergleich in Höhe von 100 Millionen Dollar an. Für ihn ist das ein Pappenstiel. Die Pilotfolge beginnt damit, dass eine junge Frau blutüberströmt, nur in Mantel und Slip aus einem New Yorker Büroturm wankt. Sie wird auf der Straße aufgegriffen, dann gibt es die erste Rückblende: Sechs Monate zuvor erst hat diese Ellen Parsons (Rose Byrne) ihren Job in der Firma von Patty Hewes angetreten. Kollegen haben sie gewarnt, aber nur davor, dass sie vor lauter Arbeit kein Privatleben mehr haben würde.Die Sache erweist sich auf mehreren Ebenen als problematisch. Einen Teil der Attraktivität gewinnt "Damages" aus den zahlreichen Extravaganzen, die der Lebensstil der Topleute mit sich bringt. Anwälte diesen Kalibers stehen schon mal in Unterhose im Büro, weil der Anzug gerade in der Reinigung ist - man war eben schon drei Tage nicht mehr daheim, und irgendwann muss sich jeder umziehen. So richtig spannend sind aber erst die vielen unerwarteten Wendungen in einer Geschichte, die allmählich eine immer komplexere Vorgeschichte bekommt. Einer der Männer hinter "Damages" ist Allen Coulter, der bei "The Sopranos" als Regisseur tätig war. Die US-amerikanischen Serien sind im Moment einfach das bessere Kino. Das gilt auch für "Damages" und ist längst keine Insider-Information mehr.Damages - Im Netz der Macht Die komplette erste Season. 13 Folgen auf drei Discs. Sprachen: D/E, Untertitel: D/E/Türkisch, Audiokommentare von Glenn Close, Allen Coulter u. a., Sony Home Entertainment; ca. 30 Euro

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