Die Ausstattung ist hervorragend, die irakische Regierung hat an nichts gespart: Die Gebäude verfügen über modernste Sicherheitsanlagen. Es gibt Computer, eine Bibliothek und sogar einen Fitnessraum. Also alles und mehr, was ein Museum braucht. Nur leider handelt es sich bei der am Sonntag im Irak wieder eröffneten Einrichtung nicht um das berühmte Irakische Nationalmuseum in Bagdad, sondern die berüchtigte Haftanstalt Abu Ghoreib, die jetzt allerdings Zentralgefängnis Bagdad heißt.Wie es der Zufall will, soll aber auch das Museum seine Pforten wieder öffnen - und zwar heute, einen Tag nach der Eröffnung der Verwahranstalt für Aufständische, Mörder und Diebe.Gleich nach dem Einmarsch der Amerikaner in Bagdad im April 2003 war das Nationalmuseum geplündert worden. Bezahlte Diebe und ein gieriger Mob schleppten tausende Kunstwerke davon, Keilschrift-Tontafeln, Rollsiegel und Schmuck. Manche der Stücke waren mehrere tausend Jahre alt, Zeugnisse der Entwicklung Mesopotamiens, einer Geburtsstätte der Zivilisation. Aber auch Möbel, Computer und Bücher wurden weggeschleppt. Was die Plünderer nicht wegtragen konnten, wurde verwüstet. 48 Stunden hausten die Vandalen - und US-Soldaten sahen zu.Danach wurden die Türen zugemauert und ein Schutzwall um das Museum errichtet. Mitarbeiter begannen mit den Aufräumarbeiten. Ein Teil der gestohlenen Objekte wurde freiwillig zurückgebracht, ein Teil bei Schmugglern, in Galerien oder Auktionshäusern konfisziert. Nach Angaben der Unesco werden noch 7 000 Stücke vermisst.Der Öffentlichkeit blieb das Museum verschlossen. Anfang Februar aber verkündete der Minister für Tourismus und Antiken, am 23. Februar werde es wieder eröffnet. Tags drauf erklärte jedoch das Kulturministerium, dass das Museum geschlossen bleibe. Man sei sehr überrascht gewesen. Die Hallen glichen immer noch eher einem Warenlager denn einem Museum. Auch Mitarbeiter und Archäologen protestierten: Das Museum sei nur unzureichend gesichert, es fehle an allem - Vitrinen, Sicherheitsanlagen, Computern. Und niemand könne garantieren, dass sich ein Raubzug nicht wiederhole.Doch der Sprecher des Tourismus- und Antikenministerium bekräftigte: "Das Datum ist gesetzt, die Einladungen sind verschickt, das Museum wird wieder eröffnet. So Gott will." Da Gott in diesem Fall Iraks Premierminister ist, kann er recht haben: Nuri al Maliki will demonstrieren, dass das Abflauen der Gewaltexzesse ganz konkrete, positive Folgen hat. Es geht also nicht um das Museum, sondern um das politische Kapital, das sich aus der Eröffnung schlagen lässt.
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