OK, eine Punktlandung hat Nicholas Negroponte mit dem ersten Billig-Laptop für Schüler in Entwicklungsländern nicht gerade hingelegt: Nur 100 Dollar, hatte der renommierte Wissenschaftler der US-Eliteuniversität MIT im Jahr 2005 angekündigt, werde der revolutionäre Rechner kosten.Tatsächlich sind es 188 Dollar, für die inzwischen 600 000 Stück des laubfroschgrünen Gerätes an die Regierungen etwa von Peru, Ruanda, Kambodscha und des Irak verkauft worden sind. Jetzt sucht Negroponte seine zweite Chance. 2010 möchte seine gemeinnützige Initiative OLPC den Billig-Laptop in der Version 2.0 vorstellen. Man könne für den neuen Rechenzwerg bei einem Preis von 75 Dollar (48 Euro) herauskommen, formuliert es Negroponte diesmal vorsichtig. Aber selbst wenn der Preis doppelt so hoch ausfällt: Das Geld wäre er allemal wert. Denn was der Wissenschaftler jetzt mit der früheren OLPC-Cheftechnikerin Mary Lou Jepsen konzipiert hat, sieht dem ersten Apple-Handy iPhone ähnlich und lässt sich auch so bedienen. So soll die kleine Kiste gar keine Computertastatur mehr besitzen, stattdessen aber mit zwei berührungsempfindlichen Bildschirmen, sogenannten Touchscreens, ausgerüstet sein.Jepsen hat diese in ihrer neuen Firma Pixel Qi eigens entwickelt. Sie sollen den "XO-2", wie der Kinder-Laptop in der nun vorliegenden Designstudie genannt wurde, zu einem multifunktionalen Arbeits- und Unterhaltungsgerät machen.Klappt man den Rechner nämlich in der Vertikalen auf, verwandelt sich der XO-2 in ein elektronisches Buch. Im Computermodus wiederum erscheint auf einem der beiden Bildschirme eine Tastatur, die sich zudem an die Größe der ihn bedienenden Kinderhände anpassen lässt. In einem dritten Modus soll der Rechner als Brettspiel genutzt werden können. Die Touchscreens werden dabei zu zwei virtuellen Spielfeldern, auf denen Kinderfinger Cyber-Figuren und -Symbole bewegen können. Auch in punkto Stromverbrauch verspricht der XO-2, neue Standards zu setzen: Gerade einmal ein Watt soll dem futuristischen Mini-Klappcomputer für den Betrieb genügen. Herkömmliche Laptops verbrauchen derzeit sechzigmal so viel Strom, oft sogar noch viel mehr.Dass Negroponte und Jepsen bis zum Verkaufsstart des XO-2 die einzigen Anbieter eines solchen Mini-Laptop bleiben, darf bezweifelt werden. Schon das Konzept des ersten Schüler-Laptops wurde munter kopiert. Den Markt für niedrigpreisige Notebooks wird der XO-2 also so oder so umgestalten, selbst wenn er nie auf den Markt kommt.------------------------------Foto: Im Tastaturmodus: Designstudie des Billig-Laptops XO-2.
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