Einer der wichtigsten Bahnhöfe Berlins liegt im Osten. Gemessen an der Zahl der täglichen Zughalte ist das Ostkreuz sogar die am stärksten frequentierte Bahnstation Deutschlands. Doch für die vielen Fahrgäste, die mit dem Rad kommen, gibt es nur wenige Abstellmöglichkeiten. Das soll sich ändern – allerdings erst in sechs Jahren.
Das Fahrradparkhaus auf dem nördlichen Vorplatz des Bahnhofs Ostkreuz, dessen Baubeginn für 2019 geplant war, soll 2028 fertig werden. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage der Linken hervor. In der Drucksache des Abgeordnetenhauses geht es auch darum, wo weitere Radparkhäuser entstehen sollen.
In Bernau und Potsdam gibt es schon Fahrradparkhäuser
Bike and Ride – mit dem Rad zum Bahnhof, mit der S-Bahn oder dem Zug weiterfahren. Eine schöne Sache, weil es die Umwelt entlastet und außerdem Fahrgästen Gedränge mit Rädern im Waggon erspart. Doch ausgerechnet am Bahnhof Ostkreuz, der im Schnitt von mehr als 250.000 Menschen pro Tag genutzt wird, gibt es nur wenige akzeptable Abstellmöglichkeiten. Fahrräder stehen kreuz und quer herum – und oft im Weg.
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Schon vor mehr als einem Jahrzehnt war im Senat klar, dass der Kreuzungsbahnhof in Friedrichshain ein Gebäude bekommen sollte, in dem sich Fahrräder sicher und vor Wetter geschützt abstellen lassen. Doch während im Land Brandenburg, sonst nicht gerade eine Speerspitze der Mobilitätswende, in Bernau, Potsdam, Eberswalde und anderswo an Bahnhöfen große Fahrradparkhäuser entstanden sind, müssen Berliner auf solche Einrichtungen verzichten – und dies noch auf Jahre hinaus, wie jetzt klar wird.
So groß werden die Anlagen in Berlin nicht werden. Die „Stationpleinstalling“ im niederländischen Utrecht gilt mit 12.500 Stellplätzen als das größte Fahrradparkhaus der Welt.
© Robin Van Lonkhuijsen/ANP/dpa
2017 hieß es, dass mit dem Bau des Fahrradparkhauses am Ostkreuz 2019 begonnen werden soll. Damals waren Stellplätze für 460 Zweiräder geplant. Doch eine wichtige Voraussetzung, die Freigabe des Baulandes durch die Deutsche Bahn wurde bisher nicht erfüllt. Lange Zeit ging es mit den Planungen für die Gestaltung der Bahnhofsvorplätze nur sehr gemächlich voran, dafür waren die beteiligten Bezirksämter zuständig. Wie unter einem Brennglas zeigte sich, wie die Mobilitätswende unter den Berliner Verhältnissen ausgebremst wird. Unklare Zuständigkeiten und Geldmangel erweisen sich immer wieder als große Hemmnisse.
Inzwischen hat die landeseigene Planungsgesellschaft GB infraVelo auch das Parkhausprojekt übernommen – und aufgestockt. Jetzt ist von rund 2000 Fahrradstellplätzen die Rede, wie nun offiziell bestätigt wurde.
Stauforscher empfehlen Berlinern Fahrrad und Bahn
In ihrer Antwort auf eine aktuelle Anfrage der Linke-Abgeordneten Niklas Schenker und Kristian Ronneburg geht die Senatsverwaltung für Mobilität auf das Thema ein. „Beim Fahrradparkhaus Ostkreuz wird unter Berücksichtigung der Flächenverfügbarkeiten mit einem prognostizierten Gesamtbedarf von 2000 Stellplätzen geplant. Die Inbetriebnahme soll bis 2028 erfolgen“, berichtete Staatssekretär Markus Kamrad (Grüne), der die Anfrage in Vertretung beantwortete. Die Bauleistungen sollen 2026 vergeben werden, heißt es bei der GB infraVelo weiter. Dort ist auch die Rede davon, dass das Parkhaus am Ostkreuz bewirtschaftet werden soll.
Haselhorst, Landsberger Allee, Mahlsdorf und Schöneweide
Fahrradparkhäuser könnten auch an weiteren Berliner Bahnhöfen entstehen. Allerdings befinden sich die dortigen Projekte in einer früheren Stufe. „Die Möglichkeit eines Fahrradparkhauses wird ab einem entsprechenden Stellplatzbedarf sowie insbesondere unter Berücksichtigung der vorhandenen Flächenverfügbarkeiten geprüft. Gegenwärtig sind für potenzielle Fahrradparkhäuser an den Stationen Haselhorst, Landsberger Allee, Mahlsdorf und Schöneweide Machbarkeitsuntersuchungen in Arbeit“, so Kamrad.
In Berlin gewinnt das Fahrrad immer weiter an Bedeutung
An nahezu allen 275 S- und U-Bahnhöfen in Berlin hat die GB infraVelo zwischen 2018 und 2021 Standort- und Potenzialanalysen durchgeführt, ergänzte der Senatspolitiker. Eine Ausnahme ist der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, der dies eigenständig analysiert hat. „An Stationen, an denen der prognostizierte Bedarf bis 2030 gemäß den Standort- und Potenzialanalysen nicht gedeckt werden kann, ist anvisiert, freie und gesicherte Abstellanlagen zu errichten“, teilte der Staatssekretär mit.
Durcheinander am Europaplatz vor dem Hauptbahnhof
Ein Beispiel ist der Bahnhof Südkreuz. „Dort könnte der Bedarf noch steigen und mit einem Fahrradparkhaus gedeckt werden“, so die Analyse des Tochterunternehmens der landeseigenen Grün Berlin. Benötigt würden dort 495 zusätzliche Stellplätze. Ein weiteres Beispiel: Am S-Bahnhof Köpenick wäre es ebenfalls sinnvoll, ein solches Parkhaus zu errichten. An diesem Standort wird Platz für 949 Fahrräder gebraucht.
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Am Hauptbahnhof ist die Situation besonders kritisch. Weil die Gestaltung des Europaplatzes an der Invalidenstraße wegen Bauarbeiten weiterhin auf sich warten lässt, gibt es nur provisorische Stellflächen, die einen chaotischen Eindruck haben. Der Hauptbahnhof gehört zu den drei Bahnstationen im Bezirk Mitte, für die GB infraVelo Fahrradparkhäuser für sinnvoll hält. Am Hauptbahnhof würden 1345 zusätzliche Stellplätze benötigt, heißt es. Die anderen Standorte in dem Zentrumsbezirk sind der Bahnhof Friedrichstraße (534 Plätze) und der U-Bahnhof Rosenthaler Platz (1289 Plätze). Auch hier müsse der zusätzliche Bedarf bis 2030 gedeckt werden. Vom Bahnhof Gesundbrunnen, der lange als Standort eines Fahrradparkhauses im Gespräch war, ist keine Rede mehr.
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