MOABIT. Spitzenfußball hat es im Poststadion schon lange nicht mehr gegeben. Bis auf einige Notreparaturen und Flickschusterei dümpelte das große Oval an der Lehrter Straße zuletzt nur noch vor sich hin, auf den Traversen stehen bereits stattliche Bäume. Diesem hoffnungslosen Zustand setzen das Bezirksamt Mitte und die Stiftung Denkmalschutz Berlin jetzt ein Ende. Sie sanieren die fast 80 Jahre alte Holztribüne von Grund auf und geben ihr etwas vom Glanz vergangener Tage zurück. Gleichzeitig wird das Stadion so hergerichtet, dass dort bis zur Regionalliga - immerhin die dritthöchste Spielklasse in Deutschland - Fußball gespielt werden kann."Wir bekennen uns zu dem Standort, deshalb bauen wir das Poststadion jetzt für bis zu 10 000 Zuschauer aus, wie es der Fußballverband vorschreibt", sagt Ulrich Schmidt, der Chef des Sportamtes Mitte. Hoffnungsträger des Bezirks ist dabei der Sportverein Yesilyurt, der 1973 gegründet wurde und bereits mit seiner Geschäftsstelle von der Osloer Straße auf das Gelände umgezogen ist. Zwar steht Yesilyurt derzeit nur auf Platz 12 der Oberliga Nordost und damit knapp vor einem Abstiegsplatz, der Aufstieg in die Regionalliga ist aber trotzdem noch das Ziel, wenn er auch nicht mehr in dieser Saison erreicht werden wird.Am großen Tribünengebäude, das jahrelang wegen Baufälligkeit gesperrt war, wird schon kräftig gearbeitet. Im Innern entstehen sechs große Kabinen für die Sportler, zwischen jeweils zwei Kabinen werden Duschen und Sanitäranlagen eingebaut. Außerdem wird es zwei Räume für Schiedsrichter geben. Auch der alte Spielertunnel wird wieder aktiviert. Durch ihn können die Sportler unterirdisch vom Tribünengebäude in den Innenraum des Stadions gehen. Gleichzeitig restauriert die Stiftung Denkmalschutz Berlin die äußere Hülle des Tribünengebäudes. Etwa 50 Prozent der Holzfenster sind nicht mehr zu retten und müssen nachgebaut werden, die Fassade wird neu verputzt. "Das Tribünendach ist noch gut. Wir reparieren die Holzverschalung und verstärken die Träger", sagt Architektin Dagmar Bernardy von der Stiftung. Unklar ist noch, ob auf der Tribüne die alten Holzbänke für rund 2 500 Besucher erhalten bleiben oder durch Schalensitze ersetzt werden. Weitere 7 500 Zuschauer sollen künftig auf dem Unterring Platz finden. Dort werden kleine Bäume und Sträucher gerodet und die Stufen ausgebessert.Das ehemalige Casino im Tribünengebäude soll im Stil der 1950er-Jahre rekonstruiert werden, sagt Sportamtschef Schmidt. Für die Gaststätte sowie für weitere Räume will der Bezirk einen Betreiber suchen. Unter anderem könnten dort Wellness- und Fitnesseinrichtungen einziehen oder medizinische Angebote gemacht werden. Eine entsprechende Ausschreibung will der Bezirk im kommenden Jahr starten.Obwohl das Poststadion nicht bis zur Fußball-Weltmeisterschaft fertig ist - erst Ende 2006 soll die Sanierung abgeschlossen sein - spielt es trotzdem in der Berliner WM-Planung eine Rolle. Auf dem Seydlitzplatz errichtet der Senat eine kleine Zeltstadt. In dem Fan-Camp sollen bis zu 2 000 Fußball-Touristen preiswert für zehn Euro pro Nacht Unterkunft finden. Zu dem Camp gehören laut Schmidt auch Dusch- und Sanitärcontainer sowie ein großes Frühstückszelt. Nach der Weltmeisterschaft wird dann auch diese Fläche umgestaltet. Zwei neue Fußballplätze sollen dort entstehen.------------------------------Wo Schmeling boxteDas Poststadion an der Lehrter Straße wurde 1926 bis 1928 auf dem Gelände des Exerzierplatzes Moabit im Auftrag der Reichspostverwaltung für den Postsportverein e.V. gebaut. Das Stadion galt als Mustersportanlage. Es bot zunächst 35 000 Zuschauern Platz, nach einer Erweiterung sogar 55 000. In dem Stadionoval fanden u.a. Länderspiele sowie Spiele zur deutschen Fußballmeisterschaft statt, auch Max Schmeling hat dort geboxt. Zum Sportareal gehören fünf Fußballplätze, ein Kleinspielfeld, Leichtathletikanlagen, eine Sporthalle sowie ein Sommerbad, das jedoch stillgelegt ist. Das Tribünengebäude steht unter Denkmalschutz.Senat und Bezirk erarbeiteten in den 80er-Jahren ein Konzept, das Stadion für umgerechnet mehr als 40 Millionen Euro bundesligatauglich auszubauen. Nach der gescheiterten Olympiabewerbung Berlins 1993 wurde diese Planung verworfen. 1999 gab der Bezirk dann sein Vorhaben auf, die mittlerweile verwilderten Tribünenhänge zu roden und auf ihnen Rasenflächen anzulegen.Mehr als ein Dutzend Vereine und Freizeitmannschaften trainieren im Poststadion. Die bekanntesten sind der SV Yesilyurt, S.C. Minerva 1893, Union 06 und ASV Berlin.Das Sportareal wurde in den vergangenen Jahren nur schrittweise erneuert. Die Sporthalle wurde saniert, in mehreren Gebäuden entstanden Umkleidemöglichkeiten. Es wurden auch neue Kunstrasenplätze verlegt, sie sind aber zum größten Teil wieder verschlissen. Im Hauptstadion wurde bereits das Marathontor neu gebaut und für 400 000 Euro eine neue Laufbahn verlegt.------------------------------Foto: Baustelle Poststadion: Etwa 50 Prozent der Holzfenster am Tribünengebäude sind nicht mehr zu retten.
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