Café-Schließung

Das sagt die jüdische Schauspielerin Nirit Sommerfeld zum Aus für ihr Café in Chemnitz

Zum Ende des Monats August endet auch der Mietvertrag für das beliebte Café Julius im smac. Die engagierte Betreiberin geht nun in die Öffentlichkeit.

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Im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz (smac) schließt die jüdische Schauspielerin und Sängerin Nirit Sommerfeld Ende August ihr Café Julius.

Im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz (smac) schließt die jüdische Schauspielerin und Sängerin Nirit Sommerfeld Ende August ihr Café Julius.

© Hendrik Schmidt

Zur Schließung des Café Julius im Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz (smac), dem früheren Schocken-Kaufhaus (in der Nazi-Zeit „Merkur“- und in der DDR „Centrum“-Warenhaus), äußert sich die Betreiberin Nirit Sommerfeld. Vor knapp zwei Jahren, genauer gesagt am 3. Oktober 2024, eröffnete sie das Café, das nach ihrem Großvater Julius Sommerfeld benannt wurde. Der rettete nicht nur ihren Vater, indem er ihn vor den Nazis nach Palästina in Sicherheit brachte, sondern bewahrte auch zahlreiche andere Chemnitzer Juden vor der Deportation. Er selbst konnte sich nicht retten, wurde 1940 im KZ Sachsenhausen ermordet.

Das nach ihm benannte Café im Archäologiemuseum wird seine Pforten Ende August schließen. „Der Mietvertrag läuft zum 31. August aus, auf eine Fortführung konnten wir uns mit unserer Vermieterin GGG nicht einigen. Zwar wurde uns eine finanzielle kurzfristige Zwischenlösung von drei Monaten angeboten, um dann wieder zu den jetzigen Mietzins-Konditionen zurückzukehren. Doch der Passus, der neu im Mietvertrag aufgenommen werden sollte und über den wir seit Mai mit Vertretern der GGG diskutieren, wurde uns trotz mehrfacher Nachfragen nicht schriftlich vorgelegt“, teilt die Betreiberin mit. Die städtische Gebäudewirtschaft mochte sich am Donnerstag zu „diesem sensiblen Thema“ vorerst nicht äußern.

Laut der jüdischen Schauspielerin und Sängerin sei ihr mündlich mitgeteilt worden, dass dieser Passus regeln sollte, dass es im Julius künftig keine „politischen, extremistischen und antisemitischen“ Veranstaltungen geben solle. „Schriftlich enthielt der Änderungsvorschlag den Satz: ‚im Rahmen dieser mietvertraglichen Verständigung mit dem Vermieter wird auch eine klarstellende Formulierung des Mietzwecks zur gastronomischen Versorgung der Museumsbesucher erfolgen‘“, so Nirit Sommerfeld.

Einschränkungen im Veranstaltungsprogramm befürchtet

Im Kontext aller bisherigen Gespräche sei klar geworden, dass es eine einschränkende Regelung geben soll; darauf wolle und könne man sich nicht einlassen, da das Café Julius dank seiner interessierten, engagierten Besucher per se eine kulturpolitische Institution geworden sei. Deshalb werde das Café Julius weiterhin in Chemnitz existieren, allerdings nicht als Museumscafé im smac. Dies bedauere sie ausdrücklich, lässt Nirit Sommerfeld just am 148. Geburtstag ihres Großvaters (6. August) wissen.

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Die Zusammenarbeit mit dem Museum sei stets von großem Respekt, guten Beziehungen und gegenseitiger Wertschätzung geprägt gewesen. „Zum anderen konnten wir mit unserem kulinarischen und kulturellen Angebot zur Aufwertung dieses einzigartigen Archäologiemuseums beitragen“, erklärt die als Kritikerin der momentanen israelischen Regierungspolitik geltende Jüdin, die 2023 in die Heimatstadt ihrer Vorfahren zog. Dies brachte ihr den Vorwurf des Antisemitismus und eine Ausladung beim Chemnitzer Friedenstag 2025 ein.

Der letzte Öffnungstag werde der 27. August sein. „An diesem Abend findet im smac die letzte Veranstaltung auf dem Goldenen Sofa um 19 Uhr mit der amerikanischen Philosophin Susan Neiman statt. Anschließend planen wir, auf der Julius-Terrasse unseren Abschied zu feiern und laden alle herzlich zum Mitfeiern ein“, sagt Nirit Sommerfeld. Alle weiteren Veranstaltungen auf dem Goldenen Sofa fänden dann an einem anderen Ort in Chemnitz statt.

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