"Das Schweigegesetz ist aufgebrochen"

Daniela Vates
2 Min

Die CSU hat bei ihrer Winterklausur in Wildbad Kreuth ein Positionspapier für ein schärferes Jugendstrafrecht und eine schnellere Abschiebung ausländischer Straftäter verabschiedet. Sicherheitsbegleitungen in U-Bahnen könnten zudem das Sicherheitsempfinden der Fahrgäste erheblich verbessern, sagt der Münchner CSU-Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer.Herr Singhammer, trauen Sie sich noch, U-Bahn zu fahren? Die CSU sagt ja, das sei erst möglich, wenn die Gesetze verschärft sind.Ich traue mich schon noch. Allerdings hatte ich auch schon unangenehme Erlebnisse. Vor einer Weile saß mir in München zum Beispiel ein Fahrgast gegenüber und hat mir seine Stiefel auf die Knie gelegt.Und was haben Sie gemacht?Ich habe ihn aufgefordert, die Füße herunterzunehmen. Das wollte er nicht. Die Sitze um mich herum haben sich schnell geleert. Ich habe dann trotzdem versucht, die anderen Fahrgäste mit einzubeziehen: Ich habe sie gefragt, ob sie einverstanden sind mit dem Verhalten dieses Mannes. Dadurch gab es so etwas wie eine Gesprächsatmosphäre. An der nächsten Station ist der Mann dann ausgestiegen. Das war sozusagen der Kompromiss.Die Leute um Sie herum haben sich weg gesetzt. Finden Sie, es gibt zu wenig Zivilcourage?Im Regelfall hilft Hinschauen und Einmischen und hält Täter ab. Aber viele haben eben Angst, dass Einmischen gefährlich ist. Das einzige Mittel in der U-Bahn, um Angst abzubauen, ist, in jedem Zug eine Sicherheitsbegleitung mitfahren zu lassen, an die man sich sofort wenden kann.Die Union fordert Strafverschärfungen, es sind Sprüche im Raum wie: Deutschland wird in der U-Bahn verteidigt. Das klingt nicht gerade sachlich.Wir betreten da einen Bereich, in dem bislang ein Schweigegesetz galt. Das ist jetzt aufgebrochen. Das Gefühl der Unsicherheit und der Belästigung gerade von jungen ausländischen Gewalttätern gibt es ja schon lange. Man muss solche Entwicklungen ansprechen, um sie zu bekämpfen.Der Zentralrat der Juden wirft Roland Koch vor, sich auf NPD-Terrain zu bewegen.Das sehe ich nicht. Im Gegenteil: Wenn man das Thema nicht ansprechen würde, würde der rechtsextreme Rand Zulauf bekommen, weil sich die Leute von den etablierten Parteien nicht mehr vertreten fühlen würden.Das Gespräch führte Daniela Vates.------------------------------Foto: Johannes Singhammer, CSU-Bundestagsabgeordneter aus München------------------------------Foto: Trübe Aussicht: ein junger Insasse der Untersuchungshaftanstalt für männliche Jugendliche und Heranwachsende in Düsseldorf.

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