Der Sommer neigt sich dem Ende zu, und ein heißer Herbst kündigt sich an. Sachsen-Anhalt hat nur etwas über zwei Millionen Einwohner. Aber die Landtagswahl dort wird nicht nur „von den Medien hochsterilisiert“, wie Fußball-Legende Bruno Labbadia es formulieren würde. Bereits jetzt ist klar: Das Wahlergebnis wird eine politische Kettenreaktion auslösen – von Magdeburg bis Berlin und darüber hinaus.
Die AfD in Sachsen-Anhalt muss nicht einmal die absolute Mehrheit der Landtagssitze erringen. Das wäre der maximale Erfolg von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Nein, um ein Erdbeben auszulösen, das seine Schockwellen konzentrisch von Magdeburg aus bis nach Berlin und sogar München schickt, reichen ihm schon 40 Prozent. Die Statik sowohl des Willy-Brandt- als auch des Konrad-Adenauer-Hauses könnte dieser Welle nicht standhalten. Und auch Bayerns CSU-Fürst Markus Söder muss sich festhalten.
Mehrere Faktoren würden das ohnehin schon labile Gefüge der Koalition von Kanzler Friedrich Merz (CDU) gänzlich aus dem Gleichgewicht bringen: CDU und SPD müssten sich eingestehen, dass sie den Osten gänzlich verloren haben; die „Brandmauern“ – also die Unvereinbarkeitsbeschlüsse – der Union nach links und rechts hin wären gänzlich eingestürzt; die Merz-Koalition wäre de facto gescheitert, da ihre Politik den Höhenflug der AfD nicht wie angekündigt gebremst, sondern sogar noch beflügelt hat. Doch der Reihe nach.
Kettenreaktion
Das schwere Beben von Magdeburg: Die AfD zerbricht das deutsche Parteiensystem
Die eigentliche Frage lautet nicht, wie stark die AfD wird. Entscheidend ist, welche Folgen ein weiterer Machtverlust der Volksparteien nach sich zieht. Eine Analyse.
14 Min
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Gehen schweren Zeiten entgegen: Kanzler Friedrich Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil
© Kay Nietfeld/dpa
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