Wenn man bedenkt, dass unserem Schloss das Versinken drohte...", sagt Achim Matthies. Dem 50-Jährigen aus Johannisthal ist die Erleichterung anzumerken, dass dies nur eine Horrorvision blieb. Dank einer grundlegenden Rekonstruktion präsentiert sich das Schloss Köpenick auf der Insel zwischen Dahme und Spree wie neu. Das 1677 bis 1681 als Wohnsitz des Preußenkönigs Friedrich I. erbaute Gebäude bekam nicht nur ein sichereres Fundament, sondern auch eine neue Inneneinrichtung. Zehn Jahre lang wurde der Barockbau saniert, seit Freitag ist er wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Viele Berliner und ihre Gäste nutzten das Pfingstwochenende, um das für rund 55 Millionen Euro sanierte Schloss zu besichtigen. Dort zeigt das Kunstgewerbemuseum rund 600 Ausstellungsstücke. Achim Matthies hat nicht nur seine Frau, sondern auch ein befreundetes Paar aus Niedersachsen mitgebracht. "Ich habe beiden schon so viel vorgeschwärmt", sagt er. Der Bahnangestellte ist seinerzeit in der Köpenicker Altstadt zur Schule gegangen, sein Weg führte ihn immer am Schloss vorbei. Matthies war schon im vergangenen Herbst da, als die Restauratoren das damals noch leere Haus drei Tage lang vorstellten. Jetzt will er sehen, wie sich das Museum eingerichtet hat. "Manches ist gewöhnungsbedürftig", sagt Matthies. Früher seien die Stuckdecken vergoldet gewesen - "so wie man sich das bei einem Herrschaftshaus vorstellt". Die zurückhaltende Farbgestaltung, mit der sich die Restauratoren historisch korrekt orientierten, gefällt dagegen Christel Fuchs gut. "Da kommen die Ausstellungsstücke aus dem Museum ganz besonders zur Geltung", sagt sie. Die Rentnerin aus Friedrichshagen bewundert einen Spiegel mit Rahmen aus verschiedenfarbigem Bernstein. "So etwas Schönes sieht man doch selten", sagt sie. Auch vor der Vitrine mit dem kunstvollen Backgammon-Spiel - Elfenbein auf Nadelholz mit Bernsteineinlagen - verharrt sie einige Minuten. Das kostbare Stück ist ein Weihnachtsgeschenk der Kurfürstin Magdalena Sybille von Sachsen an ihrem kurfürstlichen Gemahl Georg I. Kurt-Peter Zirn ist mit seiner Schwester Sabine aus einem kleinen Ort in der Nähe von Stuttgart gekommen. "Wir haben im Fernsehen einen Bericht über das Schloss gesehen und nutzen jetzt unseren Berlin-Besuch für eine Besichtigung", sagt er. Dem 36-Jährigen, der ein kleines Unternehmen für Medientechnik betreibt, imponiert die moderne Präsentation der Museumsstücke: Diese sind auf Podesten wie auf Bühnen aufgebaut."An dieser Inszenierung scheiden sich die Geister", sagt Lothar Lambacher, stellvertretender Direktor des Kunstgewerbemuseums. Ausstellungsgestalter Hans Dieter Schaal habe bewusst kein Museumsschloss, sondern ein Museum im Schloss gestaltet. "Bisher waren die Stimmen überwiegend positiv", berichtet Lambacher.Der achtjährige Johannes aus Kreuzberg kümmert sich wenig darum, wie das Museum seine Ausstellungsstücke. "Ich will Ritterrüstungen sehen", sagt er zu seiner Mutter Martina Krueger. Doch so etwas hat Schloss Köpenick nicht zu bieten, dafür Möbel und Kunstgegenstände aus Renaissance, Barock und Rokoko. Der Junge ist trotzdem zufrieden. Denn im prächtigen Wappensaal ist das Tafelservice Friedrich des Großen für das Breslauer Stadtschloss aufgedeckt. "Jetzt weiß ich wenigstens, wie die Könige damals gegessen haben", sagt Johannes. Und mit Blick auf die zahlreichen Schüsseln, Teller und Saucieren: "Muss ganz schön viel gewesen sein."------------------------------"Seit den sechziger Jahren komme ich ins Schloss. Jetzt finde ich es noch schöner als früher." Christel Fuchs, Rentnerin------------------------------Foto: Kunstvoll auch die Decken - die Besucher bestaunten die Arbeit der Restauratoren im Schloss Köpenick.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]