Semesterstart in Berlin

Das Wintersemester soll in Berlin in Präsenz stattfinden – aber nicht für alle

Berlins Unis starten nach drei Corona-Semestern in die Vorlesungszeit. Raus aus dem Homeoffice? Nein. Etliche Studierende müssen noch im Online-Modus lernen.

Friedrich Conradi
Friedrich Conradi
4 Min
Studenten sitzen im Audimax der Freien Universität Berlin.

Studenten sitzen im Audimax der Freien Universität Berlin.

© dpa/Britta Pedersen

Zum Problem wird die 3G-Regelung für ungeimpfte und nicht-genese Studierende, da die Bürgertests nicht mehr kostenlos sind. In Dresden, wo die Vorlesungszeit eine Woche früher begonnen hat, hat diese Situation bereits zu Protesten geführt. Die Initiative „Studenten stehen auf“ hatte in der ersten Woche des Semesters zu einer Demonstration in der Innenstadt aufgerufen, nach Angaben der Sächsischen Zeitung nahmen rund 400 Menschen teil. Da die Tests jetzt kostenpflichtig seien, würden ungeimpfte Studierende vom Lehrbetrieb ausgeschlossen, monierten sie.

In Berlin blieben ähnliche Proteste bisher aus. Ob es Reaktionen auf die Regelungen zur Öffnung der Universitäten im 3G-Modus geben wird, bleibt abzuwarten. Allerdings betonten HU, FU und TU auf Nachfrage, die Impfquoten unter den Studierenden sei hoch.

Das Studieren aus dem WG-Zimmer soll ein Ende haben

Für die allermeisten Studierenden stellt die Rückkehr zum Präsenzbetrieb eine große Erleichterung dar. Viele Bachelor-Studierende, die jetzt in das vierte Semester kommen, haben die Universität bislang nur für das Einreichen und Abholen von Unterlagen von innen gesehen. Andere, die ein Master-Studium absolvieren, das in der Regelstudienzeit oft nur vier Semester dauert, werden den Großteil ihres Studiums im Homeoffice und in Online-Formaten verbracht haben, wenn sie fertig sind.

Gegen diese Zustände ist auch in Berlin immer wieder protestiert worden. Die Studierenden-Initiative #NichtNurOnline beispielsweise hat mit mehreren Aktionen auf die psychische, finanzielle und soziale Situation von Studentinnen und Studenten aufmerksam gemacht. Man fühlte sich über mehrere Semester hinweg von der Politik übersehen und ignoriert. „Die Studierenden werden einfach vergessen“, sagte ein Mitglied der Initiative im Sommer der Berliner Zeitung. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Studierenden schon seit mehr als einem Jahr keine Präsenzveranstaltungen mehr, viele hatten die ersten Semester ihrer Universitätszeit gänzlich in ihren WG-Zimmern bestritten.

Medizinstudent droht erneut Semester von zu Hause

Und offensichtlich kehren die Unis in diesem Wintersemester immer noch nicht in den Vor-Pandemie-Modus zurück: Viele Studierende wundern sich über die immer noch stark begrenzte Anzahl der Veranstaltungen in Präsenz. So sagte eine Master-Studentin des Grundschullehramts an der HU Berlin der Berliner Zeitung, dass lediglich drei von 14 ihrer Veranstaltungen im kommenden Semester in Präsenz geplant seien. Dies sei verwunderlich und schade, zumal die HU immer wieder versprochen habe, „so viele Präsenzveranstaltungen wie möglich“ durchzuführen.

Für andere ändert sich gar nichts im Vergleich zum vergangenen Semester. Ein Medizin-Student an der Charité im achten Semester, der ebenfalls anonym bleiben möchte, berichtet: „In den vergangenen drei Semestern habe ich nur die Hälfte der Leistungspunkte geschafft, und mein Studium ist ins Stocken geraten.“ Das hätte der 29-jährige eigentlich in diesem Semester aufholen wollen. Allerdings ist ihm inzwischen mitgeteilt worden, dass er im gesamten Wintersemester nur vier Präsenztage haben wird.

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In Kneipen sitzen Menschen dicht an dicht, aber Seminare finden nicht statt

„Vier Tage vor Ort bringen mir wenig, ich komme mit dem Studieren von zu Hause aus nicht gut zurecht, die Präsenzveranstaltungen sind für mich also wichtig“, sagt er. „Aber auch einfach, weil die Inhalte, die wir in den letzten Semestern lernen, sehr wichtig im Beruf sind, will ich gerne in Präsenz studieren. Es ist für mich unerklärlich, dass in der ganzen Stadt in Restaurants und Kneipen Menschen dicht an dicht sitzen, ich aber nicht ein einziges Seminar mit Hygienekonzept in Präsenz habe.“

Der 29-Jährige überlegt nun, ein ganzes Freisemester zu nehmen, um im Winter zu jobben. Er hofft, dass es dann im Sommersemester 2022 endlich mit Präsenzveranstaltungen weitergeht.

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