Ein Häuschen an der Ostsee für 15.000 Euro: Das klingt nach einem Tippfehler im Exposé. In Rostock ist es ein echtes Angebot der Stadt.
Wer jetzt vom eigenen kleinen Ostseehaus träumt, sollte allerdings das Kleingedruckte lesen.
Zwei DDR-Wochenendhäuser in Ostseenähe zu verkaufen
Die Hanse- und Universitätsstadt Rostock verkauft derzeit zwei Wochenendhäuser aus DDR-Zeiten in Ostseenähe. Zuständig ist das Kataster-, Vermessungs- und Liegenschaftsamt.
Das günstigere steht in Stuthof, Am Heiderand 22, für 15.000 Euro Verhandlungsbasis. Das zweite steht in Hinrichshagen, Am Jägeracker 5; dort liegt das Mindestgebot bei 47.000 Euro.
Der Haken: Der Boden bleibt bei der Stadt
Der niedrige Preis hat einen Haken: Verkauft wird nur das Haus, nicht der Boden darunter.
Das Grundstück bleibt im Eigentum der Stadt. Käufer schließen dafür einen eigenen Mietvertrag ab, befristet auf höchstens 30 Jahre. Kauf- und Mietvertrag bilden nach Angaben der Stadt „eine wirtschaftliche Einheit“.
Das Haus Am Heiderand 22 steht auf rund 667 Quadratmetern Erholungsgrundstück. Die Miete dafür beträgt 3,90 Euro pro Quadratmeter im Jahr, also etwa 2600 Euro jährlich oder rund 217 Euro im Monat.
Alle fünf Jahre kann die Stadt diese Miete an das ortsübliche Niveau anpassen.
Dauerhaftes Wohnen ist ausgeschlossen
Auch sonst ist das Schnäppchen kein gewöhnliches Ferienhaus. Erlaubt ist allein die eigene Erholung. Dauerhaftes Wohnen schließt die Stadt aus, ebenso gewerbliche Nutzung und Untervermietung.
Wer kauft, muss außerdem der Siedlergemeinschaft Rostock Stuthof 1973 beitreten, um die Gemeinschaftsanlagen und die innere Erschließung nutzen zu können.
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Das Haus in Stuthof: Erst Stall, dann Wochenendhaus
Der DDR-Charme ist dabei wörtlich gemeint. Das Haus in Stuthof entstand laut Stadt um 1965 als Stallgebäude und wurde nach 1970 zum Wochenendhaus umgebaut.
Auf rund 53 Quadratmetern verteilen sich Wohnbereich, Schlafzimmer, Küche und Bad, dazu kommen ein Werkstattraum und ein Carport.
Auf dem Dach liegt allerdings Wellasbest. Die beiden Kamine entsprechen nicht mehr den technischen Standards, ein Beistellofen muss raus.
Das zweite Haus in Hinrichshagen: Kleiner, aber teurer
Das zweite Haus in Hinrichshagen ist kleiner und trotzdem teurer. Baujahr etwa 1973, rund 31 Quadratmeter Nutzfläche, fast komplett unterkellert, auf knapp 197 Quadratmetern Grund.
Dafür ist die jährliche Grundstücksmiete mit gut 768 Euro deutlich niedriger.
Ein Risiko nennt die Stadt hier aber selbst: Gemeinschaftlich genutzte Anlagen müssen womöglich bald erneuert werden. Die Interessengemeinschaft rechnet mit 20.000 bis 25.000 Euro, die auf Erwerber zukommen könnten.
So läuft die Bewerbung in Rostock
Wer eines der Häuser will, muss es zuerst besichtigen. Schriftliche Gebote nimmt die Stadt erst danach an.
Das Angebot geht ans Liegenschaftsamt und muss einen Bonitätsnachweis enthalten, bei einer Bankfinanzierung eine Bestätigung des Geldinstituts.
Einen Anspruch auf den Zuschlag gibt es nicht. Die Stadt kann jedes Gebot ablehnen, und am Ende muss ein städtisches Gremium zustimmen.
Eine feste Bewerbungsfrist nennen die Ausschreibungen nicht. Besichtigungen sind nach Vereinbarung möglich.
Bleibt ein Angebot mit DDR-typischem Kleingedruckten. Ein kleines Haus nahe der Ostsee lässt sich hier tatsächlich kaufen – den Boden darunter aber nur mieten.
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