Medien

Von Corona bis Krieg: Medien haben nicht die Aufgabe, Harmonie zu organisieren

Ob Klima, Pandemie oder Ukraine: Wer heute widerspricht, wird sofort moralisch eingeordnet. Medien müssten uns mit allen Perspektiven versorgen, doch sie versagen. Ein Gastbeitrag

Stefan Piasecki
Stefan Piasecki
4 Min
„Eine Zeitung ist kein Schutzraum. Sie ist öffentlicher Marktplatz.“

„Eine Zeitung ist kein Schutzraum. Sie ist öffentlicher Marktplatz.“

© imago

Die Demokratie hat kein Meinungsproblem. Sie hat ein Wahrnehmungsproblem. Vielfalt gehört zu den großen politischen Versprechungen der Gegenwart. Aber sie entsteht nicht schon dadurch, dass unterschiedliche Auffassungen existieren. Vielfalt entsteht, wo Unterschiede wahrgenommen werden. Genau dazu fehlt immer häufiger die Bereitschaft.

Ein Argument zu widerlegen genügt vielfach nicht mehr, dessen Urheber wird aussortiert. Wer anders denkt, gilt nicht als jemand, dessen Meinung geprüft werden könnte, sondern als moralisches Problem. Der Begriff des „Leugners“ ist dafür zum politischen Universalschlüssel geworden. Vom Klima über Corona und den Ukrainekrieg bis zur Migration genügt ein einziges Etikett, um die Debatte zu beenden, bevor sie begonnen hat. Freiheitliche Gesellschaften leben jedoch nicht davon, dass alle dieselbe Meinung vertreten. Sondern davon, dass gegensätzliche Positionen als legitimer Teil derselben politischen Ordnung anerkannt werden.

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