Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat es mit seiner Heizungsdebatte zurzeit nicht leicht. Als wäre das nicht schon genug, wird ihm in den sozialen Medien jetzt auch noch ein Video zum Verhängnis, das einen früheren Auftritt von Habeck neu thematisiert.
„Frau Maischberger, Sie betreten hier ganz, ganz dünnes Eis“, soll Habeck am 6. September in der ARD-Talkshow von Sandra Maischberger gesagt haben. Man gleiche die Interview-Fragen ja vorher ab, „und diese Frage war nicht in der E-Mail“, so der Minister. In der Sendung geht es um die Insolvenz, und in dem aktuellen Video, das tausendfach auf Twitter und YouTube aufgerufen wird, sagte Habeck angeblich: Es sei „völlig sekundär“, ob ein „paar Bäcker oder Ramsch-Verkäufer“ pleitegingen.
So losgelöst und außer sich kennen wir den deutschen Wirtschafsminister eigentlich nicht. Deshalb wird schnell klar: Hier handelt es sich um ein gefälschtes Video, dass Habeck einen Ausraster bei „Maischberger“ anhängen will. Mit Erfolg.
Reaktion des Bundeswirtschaftsministeriums: „Deepfake“
In den ersten Sekunden ist noch der Originalton zu hören, danach wird sowohl Habeck als auch Maischberger professionell ein anderer Text in den Mund gelegt. Obwohl es sich ziemlich offensichtlich um eine Fälschung des Accounts „Snicklink“ handelt, sah sich das Bundeswirtschaftsministerium zu einer Reaktion gezwungen.
„Achtung: Dieses Video ist ein Deepfake, d.h. das Material wurde so geschickt manipuliert, dass es auf den ersten Blick echt wirkt. Die Aussagen ab 00:20 sind so aber natürlich nie getroffen worden. Bitte verbreiten Sie Fakes nicht weiter“, schreibt das Social-Media-Team von Robert Habecks Ministerium auf Twitter und verweist auf das Original-Video der „Maischberger“-Sendung.
Insolvenz? Habeck: Nein, „aber die Betriebe hören vielleicht auf zu verkaufen“
Mit dieser Antwort hat das Ministerium gleich noch etwas ausgelöst: den neuen Hashtag „Deepfake“. Bei Twitter wird es damit weiterverbreitet und auch bei YouTube hat der gefälschte Clip bereits am Montagmorgen fast 82.000 Aufrufe.
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Habeck sprach bei „Maischberger“ von Zumutungen für die deutsche Bevölkerung im Zuge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und der folgenden Energiekrise und Inflation. Es werde aber nicht automatisch eine Insolvenzwelle geben, sagte Habeck im Video. Die Betriebe seien nicht automatisch insolvent, „aber sie hören vielleicht auf zu verkaufen“.
Kein Wunder, dass das für Spott sorgte. Aber ob Fake oder nicht – auch Habecks tatsächliche Aussagen erwecken den Eindruck, der Minister hätte kein Verständnis von grundlegenden wirtschaftlichen Mechanismen. Auf die Frage, ob er am Ende dieses Winters mit einer möglichen Insolvenzwelle etwa bei den Bäckereien rechne, antwortete Habeck im Originalton: „Ich kann mir vorstellen, dass bestimmte Branchen einfach erst mal aufhören zu produzieren, aber nicht insolvent werden.“ Man würde dann insolvent werden, wenn man mit der Arbeit immer größeres Minus mache.
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Aber wie kann man denn ein größeres Minus vermeiden, wenn man weiter Personal bezahlen muss, aber nichts mehr verkauft? „Es muss nicht automatisch eine Insolvenzwelle geben, aber es kann sein, dass sich bestimmte Geschäfte nicht mehr rentieren und dann eingestellt werden“, rechtfertigt sich der Wirtschaftsminister im Originalvideo. Es könne sein, dass die Betriebe später wieder aufgenommen werden – das sei keine klassische Insolvenz.
Warum kommt ein halbes Jahr nach der Aufzeichnung erst das Fake-Video? Wahrscheinlich, weil der Minister sich mit seiner Heizwende und der vorgeworfenen Vetternwirtschaft sehr unbeliebt bei den Menschen gemacht hat. Das zeigt sich auch in der neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa. Dort rutschte die Partei von Habeck auf einen historischen Tiefstwert ab. Nur noch 14 Prozent der Wahlberechtigten würden den Grünen ihre Stimme geben. So Habeck, so grün.
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