Dem Bombenopfer geht es immer besser. Zum Fest muss die Zwölfjährige aber in der Klinik bleiben

Charlyn bekommt einen Weihnachtsbaum

Birgitt Eltzel
3 Min

Auf der Fensterbank im Unfallkrankenhaus Berlin stehen Geschenke über Geschenke: Plüschtiere, Süßigkeiten, Bücher und Spiele. Grußkarten gibt es mit guten Wünschen "Werde bald gesund" und "Gute Genesung". Die zwölfjährige Charlyn aus Rudow, die vor drei Wochen bei einem Sprengstoffanschlag schwer verletzt wurde, bekommt nicht nur von ihren Verwandten und Freunden Post. "Auch ganz fremde Menschen schreiben mir", sagt sie.Die Genesung des Mädchens, das noch immer auf der Intensivstation im UKB liegt, macht weiter Fortschritte. "Jeden Tag geht es mir ein bisschen besser", sagt Charlyn. Der verletzte rechte Arm, der bei der Explosion am 26. November so zertrümmert wurde, dass auch die Arterien zerfetzt wurden, kribbele stärker. "Ich habe immer mehr Gefühl darin", sagt sie. Auch den Zeigefinger und den Daumen könne sie jeden Tag ein bisschen mehr bewegen. Täglich übe sie mit einer Physiotherapeutin. "Wir trainieren den Arm und die Schulter. Und wir bewegen auch die Beine, damit die Muskeln sich nicht zurückbilden."Vier Mal wurde Charlyn bisher operiert. In nächster Zeit stünden aber keine weiteren Operationen mehr an, sagt Andreas Eisenschenk, der Chefarzt der Abteilung Hand- und Mikrochirugie des UKB. Wenn die Verletzungen so wie bisher gut verheilten, könne Charlyn noch vor Weihnachten in ein normales Krankenzimmer verlegt werden. "Die Kleine hatte sehr viel Glück." Denn die Verletzungen, die Charlyn bei der Explosion einer Briefbombe erlitten hat, die ihr inzwischen verhafteter Onkel Peter John wegen Familienstreitigkeiten legte, seien außerordentlich kompliziert gewesen. "Wir nähen ab und an abgetrennte Gliedmaßen an, aber in dieser Schwere haben wir das noch nicht erlebt", sagt Eisenschenk. Ein interdisziplinäres Team von mehr als zehn Spezialisten habe Charlyn insgesamt länger als 20 Stunden operiert - Unfall- und Gefäßchirurgen, Verbrennungsspezialisten, HNO- und Augenärzte waren dabei.Eine Eieruhr als WunschTäglich kommt eine Traumapsychologin ans Krankenbett. "Das tut mir gut, besonders wenn ich traurig bin", sagt die Zwölfjährige. Mutter Christina und Vater Magnus kommen ebenfalls jeden Tag aus Rudow zu ihrer Tochter in das Klinikum in Marzahn. "Ich habe mich ganz doll gefreut, dass jetzt auch meine Freunde zu Besuch kommen durften", sagt Charlyn. "Meine beste Freundin Sophie war da, und Antonia und noch zwei Mädchen aus meiner Klasse." Auch aus ihrer früheren Grundschule habe sich Besuch angekündigt.Weihnachten wird Charlyn mit ihren Eltern im Krankenhaus feiern. "Wir werden hier sitzen und die Geschenke austauschen", sagt sie. Auch einen Weihnachtsbaum werde sie im Krankenzimmer haben, habe der Doktor versprochen. "Aber wir machen uns dieses Jahr nicht so viel Stress, vielleicht bestellen wir einen." Welche Wünsche sie habe? "Dass alle Menschen auf der Welt gemeinsam mit ihren Familien Weihnachten feiern können." Und für sich selbst eine Eieruhr, "die ich vor den Computer stelle, damit ich nicht immer das Spielen überziehe. Und auch einen Gameboy."Dass sie gern nach Hause möchte, sagt sie nicht. Doch Chefarzt Eisenschenk sieht das gar nicht so unrealistisch. "Wenn alles weiter so gut verläuft, vielleicht ab Mitte Januar ab und an." Im neuen Jahr soll es auch mit der Schule weitergehen - zunächst mit einem Privatlehrer. Der Berufswunsch Tierärztin hat sich für Charlyn allerdings erledigt. "Da muss man viel Blut sehen. Das kann ich jetzt nicht mehr."------------------------------Foto: Viele Geschenke für Charlyn stehen auf der Fensterbank.------------------------------Foto: Charlyn mit ihren Eltern auf der Intensivstation im Unfallkrankenhaus. Ihr rechter Arm ist dick bandagiert, aber sie kann ihn schon alleine heben.

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