Den Osten abgelegt

Birgitt Eltzel
2 Min

Am Freitagabend wird im Teehaus im Chinesischen Garten gefeiert. Namenstag. Eine Marzahner Handelsgenossenschaft benennt sich dort offiziell neu. Der Baustadtrat soll kommen, und weitere Lokalprominenz wird erwartet, heißt es in der Pressemitteilung. Denn die Genossenschaft, seit 1992 im Ortsteil Biesdorf ansässig, plant Großes. Sie will nicht länger "Dachdecker-Einkauf Ost eG, Niederlassung Berlin-Biesdorf" heißen. Der Wunsch der Genossenschaftler nach Namensänderung erscheint verständlich - so ganz flüssig geht diese Bezeichnung wohl niemandem über die Lippen. Und man weiß doch: Kurz und prägnant ist marketingfreundlich. Wie also wird die Genossenschaft künftig heißen? Ganz neu und originell: "Dachdecker-Einkauf Berlin-Biesdorf".Der Zusatz "Ost" ist verschwunden. Das verleitet zu Spekulationen: Wurde der Osten vergessen, verdrängt oder ganz bewusst abgelegt? Vielleicht aus politischen Gründen, jetzt so kurz vor einer Bundestagswahl? Schließlich ist der Osten dort, wo die Genossenschaft ihren Sitz hat, wohl am allerostigsten: In Marzahn-Hellersdorf hat die PDS immer ihre satte Mehrheit bekommen. Quatsch, sagt ein Kollege, das hat bestimmt nichts damit zu tun. Er selbst sehe sich ja inzwischen auch als Europäer. Genau, das könnte sein. Die Genossenschaft hat bei ihrem neuen Namen schon weiter gedacht. Und den Zusatz Europa nur noch nicht offiziell gewagt. Schließlich kommt dieses Projekt zurzeit nicht überall ganz so gut an.

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