Der 48-jährige Mann aus Moskau stirbt wenig später in der Charité / Todesumstände noch unklar

Russischer Botschaftsmitarbeiter stürzt aus Fenster

Lutz Schnedelbach
3 Min

Ein Mitarbeiter der russischen Botschaft in Mitte ist am Montag ums Leben gekommen. Viktor S. , der als Wachmann in der Botschaft gearbeitet haben soll, war gegen 2. 30 Uhr vom Balkon seiner im sechsten Stock gelegenen Wohnung in der Behrenstraße gestürzt. Er fiel aus etwa 15 Meter Höhe auf eine Baustelle vor dem Botschaftsgelände. Zeugen alarmierten die Feuerwehr. Der 48-Jährige wurde in die Charité gebracht. Er starb drei Stunden später.Ob es sich bei dem Fenstersturz um einen Selbstmord, um einen Unfall oder ein Tötungsverbrechen handelt, ist unklar. Zeugen wollen Geschrei aus der Plattenbauwohnung gehört haben und hatten den Hausmeister alarmiert. Als der Hausmeister die Tür gewaltsam öffnete, weil Viktor S. auf Klingeln und Klopfen nicht reagiert hatte, soll der 48-Jährige vom Balkon gefallen sein. Andere Personen waren nicht in der Wohnung.Am Nachmittag begann zunächst die Kripo der für Mitte zuständigen Direktion 3 mit ihren Ermittlungen. Auf das Botschaftsgelände sowie in die Wohnung des Verstorbenen durften die Beamten allerdings nicht. "Die Russen waren dagegen", sagte ein Beamter.Die Botschaft gilt als exterritoriales Gelände. Hier darf die Polizei wegen völkerrechtlicher Regelungen nur dann Wohnungen durchsuchen, Zeugen befragen und Gegenstände beschlagnahmen, wenn es ihr vom Hausherrn erlaubt wird, hieß es am Montag aus dem Landeskriminalamt. Selbst eine angemietete Privatwohnung in einem "normalen" Wohnhaus oder das Auto eines Botschaftsangehörigen seien besonders geschützt. Trotzdem versucht die Polizei bei Fällen wie dem des Fenstersturzes den Botschafter dazu zu bewegen, Ermittlungen zuzustimmen.Am Nachmittag ordnete die Staatsanwaltschaft die Obduktion der Leiche von Viktor S. an, um die Todesursache zu ermitteln. Dem müsse die Botschaft nicht zustimmen, weil der Tote auf öffentliches Straßenland gestürzt ist, erklärte ein Ermittler. Zuvor hatten sich, wie in solchen Todesfällen üblich, Mitarbeiter der russischen Vertretung in Deutschland, des Auswärtigen Amts sowie des Innenministeriums über die weiteren Ermittlungen geeinigt. Details wurden nicht bekannt.Für die Mitarbeiter der Botschaft war die Nachricht vom Tod ihres Kollegen ein Schock. Botschaftssekretär Michail Grabar zur Berliner Zeitung: "Wir sind sehr betroffen, weil es keine Anzeichen für einen Freitod gab. Einen Abschiedsbrief haben wir nicht gefunden. " Von Selbstmordabsichten des Angestellten habe keiner gewusst. Viktor S. soll seit einigen Monaten allein in der Wohnung gewohnt haben. Er galt nicht als depressiv und war sehr beliebt bei seinen Kollegen. "Er war ruhig und ausgeglichen", sagte ein Bekannter. Vor anderthalb Jahren zog Viktor S. zusammen mit seiner Frau und seinen zwei Kindern nach Berlin. Die Familie ist wieder in Moskau.Bereits im August 2000 war die Ehefrau eines Diplomaten aus einem Gebäude der russischen Botschaft in der Glinkastraße in Mitte gestürzt. Tatjana S. war beim Wäscheaufhängen auf dem Balkon ausgerutscht und über die Brüstung aus sechs Meter Höhe auf ein Vordach gefallen. Die 52-Jährige starb auf dem Weg in die Charité. Die Kripo fand heraus, dass die Balkon-brüstung nicht ordnungsgemäß gesichert war."Einen Abschiedsbrief gibt es nicht. " M. Grabar, Botschaftssekretär.GOT IT Die Besatzung eines Notarztwagens versorgte Viktor S. und brachte ihn anschließend in die Charité .

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