Der 87-jährige Willy Brodtke arbeitet zum 40. Mal auf der Grünen Woche

Jeden Morgen etwas Rotwein und ein rohes Ei

Alexander Schäfer
3 Min

Der Mann mit den weißen Haaren ist beschäftigt. "Willy!", rufen ihn Mitarbeiter der Länderhalle. Doch der Mann winkt freundlich ab und weist auf sein klingelndes Handy; der Messeleiter will ihn sprechen.Willy Brodtke arbeitet in diesem Jahr zum vierzigsten Mal auf der Grünen Woche. Er ist "Repräsentant und Kontaktperson für das Land Baden-Württemberg". Das württembergische Wappen mit den drei Löwen prangt als Anstecker neben dem gelb-grünen Logo der Grünen Woche am Revers seines Sakkos. Brodtke organisiert Hotels für die südwestdeutschen Mitarbeiter, kümmert sich um den reibungslosen Auf- und Abbau der Stände oder begleitet Minister bei Rundgängen. "Meine wichtigsten Führungen über die Messe machte ich vor zehn Jahren mit Richard von Weizsäcker und 1968 mit Willy Brandt", erinnert sich Brodtke stolz.Mit seinen 87 Jahren müsste Brodtke längst nicht mehr auf der Messe arbeiten, doch Jahr für Jahr wird er von seinem Chef zum Weitermachen überredet. Trotz der stressigen Organisation macht ihm der Job Spaß: "Ich arbeite gern mit meinen Kollegen zusammen", sagt Brodtke. "Die Grüne Woche hat ein ganz besonderes Flair." Gut gefällt ihm die Blumenhalle, auch wenn er sie in diesem Jahr aus Mangel an Zeit nur kurz gesehen hat.Brodtke arbeitet nicht zufällig für das Bundesland Baden-Württemberg. "Ich kannte den Schwarzwald vom Skifahren", sagt er, "außerdem liebe ich Spätzle." Neben Spätzle mag Brodtke Maultaschen, Dampf- und Schupfnudeln, die an seinem Stand in der Halle", dem "Marktplatz der Regionen", verkauft wer- den. Besonders empfiehlt Brodtke den badischen Wein, der jeden Messetag von einer Weinkönigin ausgeschenkt wird.Zu Rotwein hat der 87-Jährige eine besondere Beziehung. Als Geheimnis seiner Vitalität verweist er auf ein altes Hausrezept, das er seit mehr als fünfzig Jahren beherzigt: Jeden Morgen trinkt Brodtke ein kleines Glas Rotwein und isst dazu ein rohes Ei mit Zucker.Obwohl sich der 87-Jährige immer noch jung fühlt, will er im nächsten Jahr die Grüne Woche nur noch als Besucher erleben. "Irgendwann muss einmal Schluss mit Arbeit sein", sagt Brodtke, "mein diesjähriges Jubiläum wollte ich mir aber nicht entgehen lassen."Für seine treuen Dienste erhält er auf der Grünen Woche eine Ehrenurkunde. Diese findet in Willy Brodtkes Wohnung im Ortsteil Tegel einen besonderen Platz: an einer Wand, an der schon Urkunden zum 25. und 30. Arbeitsjubiläum hängen.BLZ/GERD ENGELSMANN Abschied. In diesem Jahr arbeitet Willy Brodtke noch einmal auf der Grünen Woche. Im nächsten Jahr will er als Besucher kommen.

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