ROM. Zwei Euro für den VfL Wolfsburg. Soviel dürfen Frauen, Kinder und Rentner bezahlen, wollen sie am Mittwochabend im Giuseppe-Meazza-Stadion das sportlich weitgehend unbedeutende Duell zwischen dem AC Mailand und Wolfsburg im Uefa-Cup verfolgen. Es geht um Platz eins in der Gruppe, beide Teams sind bereits für die nächste Runde qualifiziert. Die Wolfsburg-Anhänger sollten den Schleuderpreis nicht als Beleidigung auffassen. Sie sollten ihn als Eingeständnis von Schwäche interpretieren.Der AC Mailand, der weltweit erfolgreichste Fußballverein der vergangenen beiden Jahrzehnte, muss öffentlich um die Unterstützung der Tifosi bitten "für die drei so wichtigen Punkte zum Gruppensieg", wie es auf der Milan-Webseite heißt. Es stimmt, dass in Mailand kaum einer weiß, wo Wolfsburg liegt. Aber das hängt auch auch damit zusammen, dass sie in der Lombardei vor allem mit sich selbst beschäftigt sind. Der Gegner spielt da keine große Rolle.Vor genau einem Jahr ist der AC Mailand Klub-Weltmeister geworden, die Champions League gewann der Verein 1989, 1990, 1994, 2003 und 2007 und sicherte sich zwischendurch noch sechs italienische Meistertitel. Die Maßstäbe sind deshalb sehr hoch und der aktuelle vierte Platz in der Liga-Tabelle wird eher als Schande aufgefasst. Den Uefa-Cup hat Milan zwar noch nie gewonnen, aber der Sieg in diesem Wettbewerb wird nicht als primäres Firmenziel angesehen. En passant würden sie den Pokal schon mitnehmen, aber er ist wahrlich kein Muss.Uefa-Cup als ProbebühneEs ist eher so, dass sich die Verantwortlichen ernsthafte Sorgen um die Abwehr der Mannschaft machen müssen. Milan bekommt derzeit nämlich die Bude voll. 13 Gegentore waren es in den vergangenen sechs Spielen, für den AC Mailand zu viel. Nach der 2:4-Niederlage gegen Juventus Turin am Sonntag kritisierte Trainer Carlo Ancelotti die Defensiv-Spieler Gianluca Zambrotta, Kakha Kaladze und Marek Jankulovski öffentlich. Der 40-jährige Kapitän und Innenverteidiger Paolo Maldini blieb verschont, weniger weil er eine gute Leistung gebracht hatte, sondern weil er in Mailand ein Denkmal ist.Maldini hört nach dieser Saison auf, und dann? Das andere Abwehr-Denkmal, Alessandro Nesta, 31, erholt sich gerade in Miami von einer schweren Rückenverletzung. Eine der Alternativen auf der linken Seite heißt Giuseppe Favalli, er hatte seine besten Zeiten bei Lazio Rom und wird bald 37 Jahre alt. Natürlich liegt die Abwehrschwäche auch am Mittelfeld, wo nur Massimo Ambrosini, 31, seine Leistung bringt. Emerson, 32, spielt wie der Schatten seiner selbst. Neueinkauf Mathieu Flamini, 24, und Altmeister Gennaro Gattuso, 30, sind verletzt. Ohne Gattuso, der wegen eines Kreuzbandrisses ein halbes Jahr ausfällt, verlor Milan in dieser Saison alle Spiele. Den Künstlern Andrea Pirlo, Ronaldinho und Kaka (Leistenverletzung) war Defensivarbeit noch nie ein besonderes Anliegen.Weil auch Trainer Ancelotti um die labile Defensive weiß, nutzte er die bisherigen Spiele im Uefa-Cup als Probebühne für den Abwehr-Nachwuchs, den es beim AC Mailand durchaus gibt. Der Schweizer Philippe Senderos, 23, Daniele Bonera, 27, und Luca Antonini, 26, könnten die Namen der Zukunft bei Milan sein. Bonera ist nun aber ebenfalls verletzt. Senderos und Antonini machten im Uefa-Cup noch keine besondere Werbung für sich. Und würde Carlo Ancelotti den Jungen wirklich trauen, dann setzte er sie auch in den Liga-Spielen ein. Das tut er aber nicht, und deshalb sondiert der AC Mailand mal wieder den Abwehrspieler-Markt.Zu spät, wie viele kritisieren. Gerade wurde der 24-jährige brasilianische Verteidiger Thiago Silva verpflichtet, der allerdings erst von Sommer an spielberechtigt ist. Stattdessen kommt von Sonntag an das Auslauf-Modell David Beckham zum AC Mailand, mindestens für ein halbes Jahr. Dass Stürmer Andrej Schewtschenko vom FC Chelsea zurückkehren durfte, läuft in Mailand auch unter der Kategorie Denkmalschutz. Selbst der teilweise von Marketinggründen motivierte Kauf Ronaldinhos war umstritten, hat sich nun aber als Glücksfall erwiesen. Der Brasilainer ist mit insgesamt neun Treffern der erfolgreichste Torschütze des Teams. Wer in der Abwehr Probleme hat, der sucht zuweilen sein Heil in der Flucht, ganz vorne.------------------------------Der Kapitän bangtEhrgeiziges Ziel: Der Hamburger SV will mit einem Sieg am Mittwoch gegen Aston Villa (20.45 Uhr/ZDF) als Gruppenerster in die Runde der besten 32 Teams einziehen. Nur dann liegt man bei der Auslosung am Freitag in dem Topf, der zunächst ein Auswärtsspiel gegen einen Gruppendritten verspricht.Personelle Sorgen: HSV-Kapitän David Jarolim muss um seinen Einsatz am Mittwoch bangen. Ebenfalls angeschlagen sind immer noch Alex Silva und Collin Benjamin.------------------------------Foto: Duell aus alter Zeit: Milans Paolo Maldini (r.) gegen Alessandro del Piero von Juventus.
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