Der Albtraum vom eigenen Buch

Mathias Schnitzler
3 Min

Jeder ist wohl schon einmal auf sie aufmerksam geworden. Sei es durch Anzeigen in Zeitungen und neuerdings im Netz: "Verlag sucht Autoren". Durch massive Auftritte auf den Buchmessen oder die amüsant verfänglichen Namen, die an große Publikumsverlage und Dichter erinnern: "R.G. Fischer", "August von Goethe Literaturverlag" oder "Schillerpresse".Diese sogenannten Dienstleisterverlage, von Kritikern als Zuschuss- oder Selbstzahlerverlage bezeichnet, erfüllen "den Traum vom eigenen Buch" und schmeicheln den Freizeitliteraten. Woran erkennt man einen solchen Verlag? An der prompten und wohlwollenden Antwort auf die Einsendung eines Manuskripts; wohingegen der Erfolg eines Hobbyautors bei den Publikumsverlagen so wahrscheinlich ist wie der Nobelpreis für Charlotte Roche.Der Eitelkeitsverlag, wie Spötter ihn nennen, rentiert sich nur, wenn er möglichst viele Autoren ködert. Mehrfach haben Autorenverbände und Verbraucherzentralen vor der Praxis dieser Häuser gewarnt. Muss doch der zukünftige Homme de lettres eine Vorauszahlung leisten, damit sein Werk in Druck geht. Von Kosten bis zu 20 000 Euro ist da die Rede. So etwas sei bei Debütanten durchaus üblich, rechtfertigen sich die gerügten Verlage. Schon Schillers "Räuber" und Goethes "Götz von Berlichingen" wären schließlich ohne Selbstbeteiligung nicht veröffentlicht worden."Wer etwas schreibt, hat es verdient, dafür Geld zu bekommen, und nicht, dafür zahlen zu müssen", sagen dagegen die Autorenverbände. Auf einer Pressekonferenz am gestrigen Welttag des Buches bei ver.di in Köln haben der Verband deutscher Schriftsteller und der Bundesverband junger Autoren das "Aktionsbündnis für faire Verlage" vorgestellt, das diverse Autorenvereinigungen unterzeichnet haben. In einer "Fairlag-Erklärung" wird vor den Geschäftspraktiken aggressiv werbender Zuschussverlage gewarnt und die Einhaltung von Mindestnormen und Vertragsstandards gefordert.Das vom Verlag in Aussicht gestellte Lektorat, professioneller Vertrieb und Bewerbung des Buches fänden gar nicht oder nur mangelhaft statt, was die Aktionspartner als Betrug werten. Noch problematischer sei es, wenn auf den Webseiten eines "freien Portals für Autoren" und vorgeblicher Autorenverbände die Veröffentlichung bei genau den Verlagen empfohlen werde, die den Machern der Webseiten gehörten.Neuerdings hat man sogar die Möglichkeit, Rezensionen für sein Werk zu bestellen. Für rund 150 Euro erhält man etwa bei literaturmarkt.info - ebenso mit der Frankfurter Verlagsgruppe Holding AG August von Goethe verwoben wie der dubiose "Bund deutscher Schriftsteller e.V." - eine Internet-Besprechung für ein Werk von bis zu 300 Buchseiten. Negative Kritiken ausgeschlossen!Im Vorfeld hatten mitternächtliche Faxe der Frankfurter August-von-Goethe-Gruppe für Aufregung gesorgt, in denen den Beteiligten des Aktionsbündnisses mit Prozessen gedroht worden war. Man kann in der ganzen Geschichte auch die Züge einer Posse erkennen. Autoren, die ihre Eitelkeit mit mehreren Tausend Euro selbst bezuschussen und auf die hohlen Versprechungen der Verlage hineinfallen, ist in ihrer Naivität kaum zu helfen. Dass die Bücher der selbst ernannten Schriftsteller keine Leser finden, mag man dann durchaus begrüßen.

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