Kommissar Törner ist weg. Er hat nur einen Abschiedsbrief für Hinrichs hinterlassen und ein Aquarium mit Goldfisch. Der Ausstieg von Henry Hübchen, das darf man nach dieser "Polizeiruf"-Folge prophezeien, wird noch schmerzlich zu spüren sein. Denn der hier eingeführte Neue, ein verschlossener Kerl mit dem sprechenden Namen Tellheim (siehe "Minna von Barnhelm"), wird noch lange um Position und Profil ringen müssen. Das ist gar nicht Felix Eitners Schuld, der sich wacker schlägt und versucht, mit der sehr schwammigen Figurenzeichnung über die ersten 90 Minuten zu kommen.Uwe Steimle, der jüngst und wohl vergeblich gefordert hatte, der "Polizeiruf" müsse wieder politischer werden, nutzt derweil den gewonnenen Freiraum, das Ekelpakethafte in Kommissar Hinrichs genüsslich auszuspielen: Immer eine Plattitüde auf den Lippen und mit einem eklatanten Mangel an dem gestraft, was man neudeutsch "emotionale Intelligenz" nennt.Großes Herz, mittlerer VerstandAch ja, einen Fall gibt es auch, in dem die Herren Polizisten recht unbeseelt herumstochern. Eine junge Frau wird tot aus dem Hafenbecken gefischt, im Umfeld finden sich nur wenig Hinweise. Es gibt einen knorrigen Fischer, dessen Freundin das Opfer war, eine Meeresforscherin mit undurchsichtigem Assistenten, dazu ein paar kichernde Kolleginnen aus der Fischfeinkost-Fabrik.Die einzige ernsthafte Spur besteht aus einer Mail und einer SMS, der Absender ist nicht zu ermitteln. Als Hinrichs und Tellheim erkennen, dass die Lösung so simpel und offenkundig ist, wie auch der Betrachter sie sich nicht vorstellen mochte, ist das der Beginn einer neuen Männerfreundschaft.Allemal unterhaltsamer als der nur so genannte Krimi sind die Einzelstudien, mit denen sich das leicht brüchige Drehbuch von Beate Langmaack über die Runden schleppt und die Regisseurin Christine Hartmann mangels Handlung erfreut zelebriert. Allen voran Ronny, ein Mann der See: Großes Herz, mittlerer Verstand, aber mit einer so direkten Sprache, dass er und der amtsdeutschversessene Hinrichs mit einem Dolmetscher wohl rascher vorankämen. Devid Striesow suhlt sich schön in dieser Rolle des sensiblen und verwirrten Nebenopfers, das vom Leben fast immer nur beschissen worden ist.Jeder bekommt hier seinen Auftritt, mal komisch, mal tragisch. Hinrichs kauft in einem Sex-Shop aufblasbare Plastikpuppen ("Bitte mit Quittung"), Tellheim und er erleben surreale Momente gegenseitiger Fremdheit. Der Rest ist Frotzelei von annehmbarer Güte, so wenn Tellheim meint "Langsam begreife ich, wie Sie ticken" und Hinrichs fein pariert mit: "Ach, tatsächlich? Da sind Sie mir aber einen entscheidenden Schritt voraus."------------------------------Polizeiruf 110 - Matrosenbraut; So., 20.15 Uhr, ARD------------------------------Foto : Neuzugang Tellheim (Felix Eitner) muss gleich kräftig zupacken.
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