Früher war mehr Lametta, mehr Spaß jenseits des Spielfeldrands, im TV-Studio, in den Redaktionen. Traut sich niemand, schon klar, ernst soll er sein, der Grundton, muss er vielleicht sein. Und doch, ich gebe es zu, ich Vergnügungssüchtige spüre einen klitzekleinen Hauch von Enttäuschung in mir. Es gibt sie ja noch, die Schönheit des Spiels. Und die Schönheit der Spieler.
Reden wir nicht mehr darüber? Schauen wir anders? Wo sind sie hin, die Debatten, die frühere Turniere begleiteten, über schwarze Haarbänder, die Kickerfrisuren bändigten, über Man Bun und Undercut, über virile Astralkörper generell? Wo sind sie hin, die charmant-frivolen Fleischbeschau-Listen?
Ich habe immer alle aus Osteuropa unterstützt: Russland, Ukraine, Polen
Was isst Ronaldo da aus seiner Hose?
Mal forschen. Wer sind die Turnier-Beaus des Jahres 2022? Ich googele „schöne Fußballer“, die Suchmaschine korrigiert auf „schöne Fußballerinnen“. Nein, die will ich grad nicht. Ich lande bei „hote male soccer player“. Und in England. Na klar.
Nur auf der Bank, aber fesch: Kevin Trapp, ein deutscher Torwart.
© dpa/Federico Gambarini
Die Daily Mail lässt sich nicht lumpen, gleich 16 Spieler werden begutachtet. Im Team Sexy unter anderem: Jack Grealish (England, Extralob für die Waden), Raheem Sterling (England), Amir Abedzadeh (Iran), Robert Lewandowski (Polen/„erinnert an einen griechischen Gott“), Seny Dieng (Senegal), John Stones (England), Kylian Mbappé (Frankreich), Kasper Schmeichel (Dänemark), Yunus Musah (USA/„goldenes Lachen“), Saman Ghoddos (Iran/lange Wimpern, Pudel-Fan, mutig), Cristian Romero (Argentinien), Takehiro Tomiyasu (Japan/„phänomenale Wangenknochen“).
Hm, ein wenig hyperpatriotisch vielleicht, die Liste? So viele schöne Engländer? Fair geht anders, liebe Daily Mail, auch anderswo gibt es lecker Söhne, gell.
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The Times of London präsentiert „World Cup Hotties: 11 footballer from heaven“ und gibt sich mehr Mühe, nominiert ein Team vom Torwart bis zum Stürmer. In der himmlischen Auswahl: Kevin Trapp (Deutschland), Kendall Waston (Costa Rica), Fabian Schär (Schweiz), Shoja Khalilzadeh (Iran/„ein fleischgewordenes High-End-Männermagazin“), Rodrigo De Paul (Argentinien/ sehr reizvoll: das Tattoo seines toten Labradors Rocky auf der Innenseite des linken Oberschenkels), Jack Grealish (England/„Muskeln wie aus dem Marvel-Universum“), Edinson Cavani (Uruguay/„homerisch“), Robert Lewandowski (Polen), Ko Itakura (Japan), Olivier Giroud (Frankreich/„es zählt als Sex, wenn er dich nur anschaut“), André Silva (Portugal/„riecht vermutlich nach Sonnencreme und Vinho verde“).
Homerisch in Stil und Statur: Edinson Cavani spielt für Uruguay.
© imago/Markus Ulmer
Cristiano Ronaldo, mit 37 fast ein Fußballgreis, kommt in der Times-Liste nicht gut weg. Er habe den Sexappeal einer neurotischen Ken-Puppe, heißt es. Ronaldo sieht sich vermutlich anders, sagte vor wenigen Tagen: „Ich bin eine Frucht, in die Leute beißen wollen. Wie eine Erdbeere. Gutes Aussehen hilft auch.“ Hach, her mit den Erdbeerchen aller Länder.
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