Der Anton-Saefkow-Platz soll ein Stadtteilzentrum sein. Doch nach und nach schließt dort alles

... und nun auch noch das Bürgeramt

Claudia Fuchs
3 Min

LICHTENBERG. Nach Marzahn-Hellersdorf trennt sich nun auch der Bezirk Lichtenberg aus Kostengründen von einem Bürgeramt - die Einrichtung am Anton-Saefkow-Platz soll zum Ende des Jahres schließen. Wie erst jetzt bekannt wurde, hat Bürgerdienststadträtin Katrin Framke (Linke) bereits im Juni den Mietvertrag für die Räume gekündigt. Offiziell informiert wurden die Anwohner aber noch nicht über die Schließung, auch das Bezirksparlament weiß noch nicht Bescheid.Unter den zumeist älteren Anwohnern des Plattenbaugebiets am Fennpfuhl hat die Nachricht über die geplante Schließung trotzdem schon die Runde gemacht - und für Verärgerung gesorgt. Denn dem Viertel droht der Niedergang. Das frühere Kaufhaus am Platz steht seit anderthalb Jahren leer und die Seeterrassen - einst Zeugnis eines florierenden Wohngebietes, werden abgerissen. Nun soll auch das Bürgeramt schließen. Beim Bürgerverein, der sich seit gut 15 Jahren für das Plattenbaugebiet einsetzt, ist man bestürzt. Die Schließung des Bürgeramtes stehe im Widerspruch zu den Beteuerungen des Bezirks, wonach der Anton-Saefkow-Platz als Stadtteilzentrum erhalten bleiben und die Angebote ausgebaut werden sollten, heißt es in einer Erklärung. Auf dieses Schreiben habe der Bezirk bis heute nicht reagiert, beklagt Bürgervereinsvorsitzender Jörg-Peter Sellmann. "Ich erwarte einfach, dass sich mal jemand offiziell zum Thema äußert", so der Vereinsschef.Verärgert ist auch Rainer Bosse, der direkt am Anton-Saefkow-Platz ein Fotogeschäft führt und seit vielen Jahren Vorsteher des Bezirksparlaments ist. "Das ist die falsche Entscheidung", sagt der Linke-Politiker. Sicher könne der Publikumsverkehr eines Bürgeramtes kein ganzes Viertel retten, "aber wenn der Bezirk den Standort aufgibt, wirkt das wie ein Rückzug". Kritik kommt auch von Baustadtrat Andreas Geisel (SPD). Der Bezirk fordere von Investoren, sich am Anton-Saefkow-Platz zu engagieren und ziehe sich selbst zurück, so Geisel. Das sei das falsche Signal. Dennoch verstehe er die Entscheidung - schließlich habe Lichtenberg 14 Millionen Euro Schulden und gespart werden müsse überall.Damit argumentiert auch Stadträtin Katrin Framke. Die Idee, die Räume für das Bürgeramt zu kündigen, sei allerdings "etwas übereifrig von der Verwaltung" umgesetzt worden. Dennoch stehe sie nach wie vor zu der Entscheidung. Das Amt am Anton-Saefkow-Platz habe zunehmend weniger Besucher gehabt, durch die Kündigung würden jährlich 440 000 Euro gespart. Von einer Schließung des Amtes wolle sie aber nicht sprechen: Ein mobiles Bürgeramt werde künftig zwei Mal wöchentlich in der Bibliothek Station machen. Der Bezirk ziehe sich nicht vom Platz zurück, beteuert auch Bürgermeisterin Christina Emmrich (Linke). Sie räumt aber ein: "Das Verfahren ist mehr als schiefgelaufen."Morgen wird sich auch das Bezirksparlament mit dem Thema beschäftigen. Die CDU hat den Antrag gestellt, das Amt offen zu lassen.------------------------------"Das Verfahren ist mehr als schief- gelaufen. " Bürgermeisterin Christina Emmrich

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner