Der Berliner Karateverband öffnet seine Turniere für internationale Teilnehmer

Duell für Kontaktscheue

Stefan Osterhaus
3 Min

BERLIN, 25. Januar. Schlussendlich konnte Jürgen Wons die Vokabeln doch noch abrufen. Der Präsident des Berliner Karateverbandes hatte über Nacht noch ein paar Wörter Polnisch gelernt, um eine Gruppe von Athleten aus Stettin beim Berliner Ranglisten-Turnier stilgerecht begrüßen zu können. Wons wollte gut vorbereitet sein, denn schließlich war es eine Premiere: Erstmals traten auch Athleten an, die nicht zum Berliner Karate-Zirkel gehören; erstmals war ein Austausch möglich; erstmals konnte man beobachten, wie Techniken jenseits der Bundesgrenze gelehrt und ausgeführt werden. Erfolgreiche Kaderschmiede"Eine hervorragende Sache für uns", sagt Wons, "und für die polnischen Athleten hoffe ich auch." So war es beinahe nebensächlich, wer sich vorn platzierte. Wons dachte schon weiter. Denn es ist keine Öffnung gen Osten, die der Berliner Karateverband betreibt, sondern eine generelle. Gern würde der Präsident demnächst auch ein paar Athleten aus England begrüßen, wenn sie denn den Weg zum Berliner Ranglistenturnier finden würden. Schließlich ist der Berliner Ruf im bundesweiten Karate alles andere als schlecht: Mit Alexandra Kurtz von Neuköllner Klub Banzai, einer Kaderschmiede für Spitzenathleten, hat der Verband immerhin eine Welt- und Europameisterin in seinen Reihen, eine Athletin, "die einfach alles Positive am Karate verkörpert, was es gibt", sagt Jürgen Wons. Eben Athletik, Schnelligkeit, technische Finessen und vor allem die absolute Körperbeherrschung, Schläge Millimeter vor dem Körper des Gegner zum Stoppen zu bringen. Denn jedem ernsthaften Karateka, sagt Jürgen Wons, würde es widerstreben, einen Gegner im Wettkampf zu verletzen. Solch ausgeklügelte Selbstherrschung ist nicht jedermanns Sache: "Diejenigen, die mit dem Karate nicht klarkommen, landen meistens in irgendwelchen Vollkontaktsportarten wie dem Kickboxen", sagt Jürgen Wons. "Kontaktloser Kampfsport ist eben extrem anspruchsvoll." Ein Makel allerdings haftet dem Karate an: Es besitzt keinen olympischen Status. Als es darum ging, eine Kampfsportart ins olympische Programm aufzunehmen, zogen die Karatekas gegen das Taekwondo, eine koreanische Variante, den Kürzeren. Das schlage sich vor allem in den letzten Jahren auch in der Popularität nieder: "Ich glaube schon, dass es uns sehr abträglich ist, nicht im olympischen Programm vertreten zu sein. Wir fühlen uns da schon ein wenig unterrepräsentiert", sagt Wons. Zumal in Deutschland etwa 120 000 Sportler Karate praktizieren. In Berlin sind es 3 700 Sportler die sich in 70 Vereinen organisiert haben, keineswegs wenig, für einen Landesverband, der eigentlich nur eine einzige Stadt repräsentiert.350 AthletenDas schlägt sich auch in der Anzahl der Teilnehmer beim ersten Ranglisten-Turnier des Jahres nieder: Beinahe jeder Zehnte nahm die Aufforderung zum Wettkampf an, 350 Athleten gingen an den Start und nutzten die Möglichkeit, sich einen Monat vor den Berliner Meisterschaften, die auch die Qualifikation für die nationalen Titelkämpfe sind, zu positionieren. Auch Nachwuchsathleten ließen sich zur Formbestimmung nicht lange bitten: Drei Deutsche Meister waren im Wettbewerb.BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING Perfekte Kontrolle: Millimeter vor dem Ziel werden Angriffe gestoppt.

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