Hermannplatz, Berlin. Die Wahl ist entschieden, die Stimmen sind ausgezählt. In Berlin liegt die Linke bislang mit rund 25 Prozent vorn. Besonders stark schnitt die Partei bei jungen Wählerinnen und Wählern ab: Bei den 16- bis 24-Jährigen kam sie berlinweit auf 46 Prozent. Im Wahlkreis Neukölln erreichte sie rund 50 Prozent.
Am Hermannplatz treffen wir am Tag nach der Wahl mehrere Menschen, die mit dem Abschneiden der Linken zufrieden sind.
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„Ich vertraue Elif Eralp“
Sarah (43, Name geändert) war wählen, weil ihr wichtig ist, dass ihre Stimme zählt und Menschen politisch gehört werden. Ihre Stimme gab sie der Linken. Den Wahlabend verfolgte sie aufmerksam, mit dem Ergebnis zeigt sie sich zufrieden.
Nach den politischen Auseinandersetzungen der vergangenen Monate empfinde sie das Resultat als Erleichterung. Über Elif Eralp könne sie noch nicht viel sagen. Sie vertraue ihr aber und hoffe auf eine gute Entwicklung. Besonders wichtig seien ihr die Bürgerrechte.
Auch Hueseyin Y. (65) hat gewählt. Ihm sei wichtig gewesen, seine Stimme abzugeben, auch wenn er die Berliner Politik zuletzt nicht besonders intensiv verfolgt habe. Entscheidend ist für ihn die Vielfalt der Stadt: „Berlin ist eine internationale Stadt.“
Auch er wählte die Linke und kennt Elif Eralp. Viel mehr könne er über sie allerdings nicht sagen.
Hueseyin Y. bei seinem Stand am Hermannplatz
© Thomas Meyer/Ostkreuz
Sein Neffe Mesut D. ging dagegen nicht wählen. Er habe keine Zeit gehabt. Wen er gewählt hätte, weiß er ohnehin nicht. Jede Partei habe aus seiner Sicht Vor- und Nachteile.
„So wie es gerade läuft, finde ich es nicht gut“, sagt er.
Er wünsche sich, dass auch Parteien eine Chance bekommen, die sonst weniger Beachtung finden, und am Ende der „Bessere“ gewinnt. Zu Elif Eralp sagt er: „Ich hoffe, dass sie es besser macht, und drücke ihr die Daumen.“ Dass künftig möglicherweise eine Frau an der Spitze des Berliner Senats stehen könnte, spiele für ihn keine Rolle.
Mesut D. beim Stand seines Onkels Hueseyin Y.
© Thomas Meyer/Ostkreuz
„Sonst kann man nur meckern und nichts verändern“
Lilo B. (54) hat per Briefwahl abgestimmt, weil sie am Wahltag arbeiten musste. Ihre Stimme gab sie der Linken. Wählen zu gehen, hält sie grundsätzlich für wichtig: „Sonst kann man nur meckern und nichts verändern.“
Berlin entwickle sich ihrer Ansicht nach „ganz schrecklich“. Mit ihrer Stimme wolle sie dazu beitragen, „die Stadt in die richtige Richtung zu bekommen“.
Das Wahlergebnis verfolgte Lilo B. am Wahlabend im Auto und im Radio. Mit dem Abschneiden der Linken ist sie grundsätzlich zufrieden. Skeptischer blickt sie auf die möglichen Koalitionen: „Das wird wieder so ein Chaos, und ich weiß nicht, ob es uns viel weiterbringt.“
Über Elif Eralp wisse sie bislang wenig. Die Wahlplakate der Linken seien ihr dagegen durchaus aufgefallen. Mit der grundsätzlichen politischen Richtung der Partei könne sie sich identifizieren. Einzelne Forderungen sehe sie jedoch kritisch.
Vor allem Forderungen nach einem Abbau von Polizei und Verfassungsschutz lehnt sie ab: „Ich bin selbst kein wirklicher Freund des Verfassungsschutzes, aber das ist mir ein wenig radikal.“
Lilo B. posiert für die Berliner Zeitung am Hermannplatz.
© Thomas Meyer/Ostkreuz
„Die Leute werden das natürlich im Kopf behalten“
Gespannt sei sie nun darauf, welche Akzente Elif Eralp setzen werde. Kritisch sieht Lilo B. den Auftritt von Issa Remmo auf der Wahlparty der Linken. Sie hätte sich eine deutlichere Distanzierung gewünscht. „Die Leute werden das natürlich im Kopf behalten“, sagt sie.
Auch die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern verfolgt Lilo B. mit Interesse. Die starke politische Polarisierung habe sie erschreckt. Gleichzeitig ärgere sie sich darüber, dass Menschen aus Ostdeutschland ihrer Ansicht nach häufig pauschal beurteilt würden.
„Die Landtagswahlen im Osten zeigen immer mehr diesen Rechtsruck, und alle Ostler werden über einen Kamm geschoren“, sagt sie.
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„Ich halte es für ein Privileg, wählen zu dürfen“
Auch Sandra K. (50) gab ihre Stimme der Linken und zeigt sich mit dem Berliner Wahlergebnis zufrieden.
Vom Wahlrecht Gebrauch zu machen, ist für sie selbstverständlich: „Ich halte es für ein Privileg, wählen zu dürfen, und wir sollten froh darüber sein, in einem Land leben zu dürfen, in dem so etwas möglich ist.“
Über Elif Eralp weiß Sandra K. bislang ebenfalls nicht viel. Sie empfinde sie jedoch als authentisch und sei gespannt auf ihre politische Arbeit. Sie erwartet von ihr vor allem eine soziale Politik. Bildung, Digitalisierung, Verkehr und der Wohnungsmarkt müssten aus ihrer Sicht eine wichtige Rolle spielen.
Die Wahlergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern betrachtet Sandra K. dagegen kritisch. Die Entwicklung dort empfinde sie als „traurig“.
Sandra K. posiert für die Berliner Zeitung am Hermannplatz.
© Thomas Meyer/Ostkreuz
„Weil ich Demokratie wähle“
Auch Lilly W. (21) hat gewählt und ihre Stimme der Linken gegeben. Ihre Entscheidung begründet sie mit einem Satz: „Weil ich Demokratie wähle.“
Von Elif Eralp wünscht sie sich eine progressive Politik. Gleichzeitig fragt sie sich, wie sich die politischen Vorhaben einer links-progressiven Partei innerhalb eines kapitalistischen Wirtschaftssystems umsetzen lassen. Entscheidend sei für sie, ob die im Wahlkampf formulierten Ziele unter den bestehenden wirtschaftlichen Bedingungen tatsächlich verwirklicht werden können.
Mit dem Berliner Wahlergebnis zeigt sich Lilly W. zufrieden. Die Ergebnisse in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bezeichnet sie dagegen als „fatal“.
Lilly W. posiert für die Berliner Zeitung am Hermannplatz.
© Thomas Meyer/Ostkreuz
Hoffnungen am Hermannplatz
Die Gespräche am Hermannplatz zeigen vor allem eines: Unter den Befragten ist die Zustimmung zum Abschneiden der Linken groß. Gleichzeitig verbinden viele ihre Wahlentscheidung mit konkreten Erwartungen – an bezahlbares Wohnen, soziale Politik, Bürgerrechte oder eine funktionierende Stadt.
Bei Elif Eralp überwiegt zunächst die Hoffnung. Wirklich bekannt ist sie vielen der Befragten noch nicht. Entscheidend dürfte für sie deshalb sein, ob aus den Erwartungen nach der Wahl auch sichtbare Veränderungen im Berliner Alltag werden.
Die Linke hatte eine Kampagne, die AfD hatte Kristin Brinker
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