Der Bezirk muss auf Beschwerden über Wagenburgler reagieren. Aber wie?

Pöbeleien und Müll

Stefan Strauß
3 Min

PRENZLAUER BERG. Etwa 20 Lastwagen stehen auf der Margarete-Sommer-Straße direkt am Volkspark Friedrichshain. Kleinere Anhänger, aber auch große Brummis. In den Fahrzeugen leben Menschen. Mietfrei. "Eigentlich sind wir keine klassische Wagenburg. Eher eine Ansammlung parkender Lastwagen", sagt Bernhard, einer der Bewohner. Viele Wagenburgler kennen sich gar nicht, jeder macht sein Ding, kommt und geht wann er will.Seit etwa fünf Jahren duldet das Bezirksamt die Wagenburg. Bislang gab es auch keinen Ärger. Doch seit einigen Monaten häufen sich beim Ordnungsamt Pankow Beschwerden von Anwohnern und Besuchern des Volksparks Friedrichshain. In den Briefen steht, Abwasser werde auf die Straße gekippt, Müll und sogar Fäkalien. Manche klagen über Geruchsbelästigung und Lärm. Getan hat das Bezirksamt bisher nichts. Lediglich darüber diskutiert, wie man die Wagenburgler in ihren Autos erreichen kann.Auch Torsten Wetzel, Pächter der nahe gelegenen Tankstelle am Volkspark Friedrichshain, hat sich beim Pankower Bürgermeister über die Wagenburgler beschwert. Diese würden Tankstellen-Kunden anpöbeln und betteln, die Toilette verschmutzen und Mitarbeiter "massiv bedrohen", wenn sie den Wagenburglern den Kloschlüssel nicht geben wollen. "So geht das nicht weiter", sagt Wetzel. "Viele Kunden fühlen sich belästigt. Das Bezirksamt muss dringend etwas tun."Auch die Mitglieder des Beachvolleyballvereins "City Brach" fühlen sich belästigt. "Im Sommer stinkt es nach Urin, leere Flaschen und Abfälle werden auf die Spielflächen geworfen", sagt Alex Heyer, Geschäftsführer des Sportvereins. Die Wagenburgler hätten eine selbst gebaute Latrine aus alten Türen direkt am Zaun errichtet. Sogar an den Regierenden Bürgermeister hat Heyer geschrieben. "Passiert ist trotzdem nichts."Eine Räumung der Wagenburg schließt das Bezirksamt bisher aus. Das sei "das letzte Mittel", heißt es. Möglich wäre ein Ausweichquartier. Martin Federlein (CDU), Stadtrat für Stadtentwicklung, muss eine Lösung finden. "Als Erstes müssen wir mit den Leuten reden", sagt Federlein. Doch das wird schwierig. Es gibt keinen Ansprechpartner, keine Adresse.Wagenburg-Bewohner Bernhard kann die Vorwürfe nachvollziehen. Einige Wagenburgler machten einen "schmuddeligen Eindruck" und würden auf Gespräche "ablehnend" reagieren. "Wir sind nun mal keine homogene Gruppe", sagt er. Die meisten wollen aber "eine friedliche Lösung der Probleme".------------------------------Wohnen im WagenIm Jahr 1997 beschloss der Senat, alle illegalen Wagenburgen aufzulösen, weil sie keine alternative Lebensform darstellen. Eine genaue Übersicht, wie viele geduldete Wagenburgen es in Berlin gibt, hat der Senat nicht. Er geht von fünf aus.Schwarzer Kanal, Michaelkirch- straße in Mitte: Bis zum Jahresende müssen die Bewohner das seit 2002 genutzte Grundstück der Firma Hochtief räumen. Viele sind schon weggezogen.Laster und Hänger, Revaler Straße/ Modersohnstraße in Friedrichshain: Die Bewohner veranstalten Kinoabende am Lagerfeuer und Theaterabende.Lohmühle, Lohmühlenstraße in Treptow: Seit 1991 stehen Wagen auf dem früheren Grenzstreifen. Veranstaltet werden kostenlose Konzerte, Lesungen und Ausstellungen in Kooperation mit dem Bezirk.Pankgräfin, Pankgrafenstraße in Karow: Die Bewohner beschäftigen sich mit ökologischem Landbau und artgerechter Tierhaltung.Wagendorf in der Wuhlheide in Oberschöneweide: Der Bezirk duldet die Bewohner bis Ende 2009.------------------------------Foto: Als "lockere Ansammlung parkender Lastwagen" bezeichnen Bewohner die Wagenburg Margarete-Sommer-Straße.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner