Werner Sonne* hat lange überlegt, ehe er sich für das Haus direkt am Stadtrand von Berlin entschied. Bevor der 39-Jährige das Grundstück im Ingwäonenweg in Karow-Nord für sich und seine Familie kaufte, machte er sich beim Tiefbauamt schlau. Denn auf dem Nachbargrundstück verläuft eine Straße, die direkt zur Bundesstraße 2 führt und in den Ingwäonenweg mündet. Die Straße werde in Kürze geschlossen, zumal das Grundstück auch als Abenteuerspielplatz ausgewiesen sei, wurde ihm versichert. Im Sommer 1998 zogen die Sonnes nach Karow-Nord. Knapp zweieinhalb Jahre später ist die Straße immer noch offen."Wir leiden unter dem ständigen Verkehrslärm", sagt Sonne. Denn die Straße ist ein idealer Schleichweg. "Wer beispielsweise aus Bernau, Buch oder Schönerlinde zur B 2 will, nutzt diese Abkürzung und muss sich nicht durch Alt-Karow quälen."In keinem StadtplanEigentlich ist die Verbindung keine richtige Straße. Sie ist in keinem Stadtplan eingetragen und hat auch keinen Namen. Angelegt wurde sie Anfang der 90er-Jahre quer über ein Feld, als mit dem Bau des Neubaugebietes in Karow begonnen worden war. Gedacht war der Weg als Zufahrt für die Baufahrzeuge, damit die nicht durch das denkmalgeschützte Dorf Karow rollen mussten. Zwischen 300 und 600 Autos nutzen laut Sommer stündlich die Abkürzung durch den Ingwäonenweg. Am 22. März wurden von den Anwohnern zwischen 17 und 19 Uhr sogar 1 280 Fahrzeuge gezählt. "Die Straße ist für diese Verkehrsströme überhaupt nicht ausgelegt", sagt Sommer. Sie wurde als schmale Anliegerstraße gebaut, auf der zwei Autos gerade knapp aneinander vorbeikommen. Auch durch die benachbarten Spielstraßen rollt der Verkehr. Für die Anwohner ist die Situation eine Tortur. "Die Häuser haben keine Lärmschutzfenster, meine Kinder werden früh um fünf aus dem Schlaf gerissen", sagt Sonne. Durch eine Einengung auf der Fahrbahn wurde inzwischen zumindest verhindert, dass auch Laster den Schleichweg nutzen. Mit Unterschriftensammlungen haben die betroffenen Anwohner auf ihr Problem aufmerksam gemacht - zumal es seit Jahren Planungen für eine Verbindungsstraße zur B 2 gibt, die nicht so dicht an den Häusern vorbeiführt. Erste Teilstücke sollten nach Angaben des Weißenseer Tiefbauamtes bereits 1999/2000 gebaut werden. Getan hat sich bisher nichts."Sobald die Witterung wieder gut ist, wird die Straße ausgebaut", versichert Baustadtrat Rainer Hampel (SPD). Eine Ankündigung, der Werner Sonne nicht mehr recht glauben mochte. Er zog vor Gericht und klagte auf Schließung der Baustraße. Ende Oktober gaben ihm die Richter Recht. Trotzdem kann der Schleichweg zur B 2 nach wie vor befahren werden. Der Bezirk hat Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt. "Ich bin nicht auf Konfrontation aus", sagt Sonne. Er hofft zumindest auf einen Kompromiss. "Wir wollen einen exakten Termin, wann die Bauarbeiten losgehen", sagt der 39-Jährige. "Sonst müssen wir die Sperrung der Straße durchsetzen."*Name von der Redaktion geändert.Ein ewiges Provisorium // Die Verbindung von der Bundesstraße 1 zum Ingwäonenweg war Anfang der 90er-Jahre errichtet worden, als mit dem Bau des Neubaugebietes in Karow-Nord begonnen wurde. Über die Asphaltstraße wurden die Bautransporte für die Großbaustelle geleitet. Seit 1998 ist sie durch eine so genannte Schikane aus Beton nur noch für Pkw zu befahren. Sie wird stündlich von bis zu 600 Autos genutzt.In die Alternativroute soll ein Teil der alten Baustraße einbezogen werden. Dann soll die Trasse über die Verlängerung der Straße am Hohen Feld und durch die Bildung eines Verkehrsknotens an die verlängerte Bahnhofstraße in Karow angebunden werden.
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