Der britische Botschafter ist in Berlin geboren und feiert deswegen Weihnachten an der Spree

Sir Peter stopft Süßes in die Socken

Andreas Kurtz
3 Min

Während die meisten seiner Landsleute vom Donnerstag vor Weihnachten bis zum 9. Januar nichts machen außer Ferien, muss sich der britische Botschafter in Berlin gerade um einen Staatsbesuch kümmern. So nennt Sir Peter Torry die Visite seiner Mutter in Berlin. Für Familie Torry schließt sich mit seinem Botschafterposten in der deutschen Hauptstadt ein Kreis, denn in Spandau wurde 1948 der kleine Peter als Sohn eines britischen Offiziers geboren.Auch deshalb verbringt der geborene Berliner das Weihnachtsfest hier, zusammen mit seiner Frau Angela. Und nutzte seine Weihnachtskarten, von denen er in diesem Jahr 300 dienstlich und 100 privat mit dem oben abgebildeten Foto verschickt hat, um über die britischen Traditionen zum Fest zu informieren. Anders als in Deutschland gibt es bei den Briten die Geschenke erst am 25. Dezember. Wenn der Weihnachtsmann bei den Briten ankommt, dann ist er also vom Schleppen der Geschenke für die Deutschen schon recht abgekämpft und bekommt deshalb von Sir Peter am Kamin seiner Residenz in der Nähe des Grunewaldsees einen Platz zum Ausruhen angeboten."Dieser Tag läuft bei uns nach einer alten Routine ab." Sir Peter freut sich, dass seine Töchter inzwischen keine kleinen Kinder mehr sind: "Damals begann der Tag schon gegen 4 Uhr mit dem Ausruf ,Der Weihnachtsmann war da!'. Inzwischen geht es zum Glück erst gegen 9 Uhr 30 oder 10 Uhr mit Stockings los." In den Strümpfen, die am Vorabend aufgehängt wurden, finden die Kinder kleine Naschereien. "Ich hatte da früher immer nur Kohl drin." Eine Warnung des Weihnachtsmannes an Kinder, die das Jahr über böse waren.Frühstück und Mittagessen erledigen die Torrys in einem Rutsch mit einem Brunch. "Danach gehen wir zwei Stunden mit dem Hund auf dem Land spazieren." Anschließend gibt es Tee am Kamin und dann endlich die Bescherung.Dass Briten für steif gehalten werden, könnte damit zusammenhängen, dass sie uns nie bei dem zuschauen lassen, was sich der Bescherung anschließt. Sir Peter umschreibt es so: "Dann widmen wir uns den stupid games, Scharade und solchen Dingen." Und weil auch dumme Spiele hungrig machen, gibt es anschließend ein großes Abendessen.Eines ist dem Botschafter an diesem 25. Dezember so wichtig, dass er sich damit sogar vom Verhalten vieler Landsleute distanziert: Der Fernseher bleibt aus. Er umschreibt ziemlich drastisch, was in vielen Häusern seiner Heimat am ersten Weihnachtsfeiertag so abgeht: "Die Leute nehmen ein großes Mittagessen zu sich und sind dann so besoffen, dass sie gleich anschließend vor dem Fernseher einschlafen."Wenn beim Auspacken der Geschenke immer wieder der ganze Diplomat gefragt ist, dann ist Sir Peter daran nicht ganz unschuldig. "Meine Töchter rufen seit Wochen immer wieder verzweifelt an und fragen, was sie mir schenken können." Sie bekamen jedes Mal dieselbe Antwort: "Socken!" Vielleicht ja seine kleine Rache dafür, dass die Töchter inzwischen ohne ihre Eltern in Ski-Urlaub fahren: "Wir dürfen dafür bezahlen, aber nicht mehr mitfahren."------------------------------Foto: Der britische Botschafter Sir Peter Torry (l.) verschickte dieses Bild als Weihnachtskarte.

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