BERLIN, 22. Juni. An ihnen wird seit 15 Jahren gebaut, sie haben eine zweistellige Milliardensumme gekostet und sechs Bundesverkehrsminister überlebt: die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit. Eigentlich sollten die 17 wichtigen Straßen-, Schienen- und Wasserwege den Osten des Landes nach der langen Trennung möglichst schnell wieder mit dem Westen verbinden und spätestens im Jahr 2000 fertig sein. Doch noch immer wird an mehreren Projekten kräftig gebaut.Ostseeautobahn kommt 2005"Ich gehe davon aus, dass die Straßenprojekte im wesentlichen bis 2010 fertig werden", sagte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe am Mittwoch. Nur auf der Autobahn A44 von Kassel nach Erfurt seien dann noch Restarbeiten nötig. "Der Bau der Schienenwege", so der Minister weiter, werde sich auf jeden Fall "deutlich länger hinziehen". Dass noch immer an vielen Projekten gebaut wird, begründete Stolpe mit dem hohen finanziellen und technischen Aufwand. Das Investitionsprogramm habe ein Volumen von knapp 38 Milliarden Euro. Bisher seien in den Bau der Ost-Westverbindungen rund 25 Milliarden Euro geflossen - etwa 65 Prozent der dafür vorgesehenen Mittel.Stolpe kündigte bis Ende 2006 die Inbetriebnahme weiterer Projekte an: So sollen die Ostseeautobahn A20 zwischen Lübeck und dem Autobahndreieck Uckermark bei Prenzlau und die A71 von Erfurt nach Schweinfurt fertig werden. Die Bahn-Strecke Leipzig-Berlin werde bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 so ausgebaut, dass die Züge statt eineinhalb Stunden nur noch eine knappe Stunde unterwegs sind.Von den geplanten 1 200 Kilometern Autobahnen seien 930 Kilometer fertig, 170 weitere im Bau. Fertig sind die Autobahnen A 2 Hannover-Berlin, die A 14 zwischen Magdeburg und Halle und - bis auf ein Teilstück im Thüringer Wald - die A 9 zwischen Berlin und Nürnberg. Stolpe zufolge sind jetzt auch alle Hürden für den Bau der Autobahn von Dresden nach Prag genommen, "so dass wir mit der Fertigstellung bis 2008 rechnen". Die Autobahn gehört zwar nicht zu den Einheits-Projekten, sei aber angesichts der EU-Osterweiterung eines der vordringlichsten Infrastrukturprojekte für die neuen Länder."Eine gute Verkehrsanbindung ist wie Entwicklungshilfe", sagte Stolpe. So werde die Ostseeautobahn Mecklenburg-Vorpommern ab kommenden Sommer einen Urlauberboom bescheren. Bei den bereits übergebenen Schienenschnellverbindungen von Hamburg-Berlin und Hannover-Berlin sei die Nachfrage deutlich gestiegen. An der mit rund fünf Milliarden Euro teuersten Eisenbahn-Neubaustrecke zwischen Erfurt und Nürnberg wolle der Bund weiter festhalten. Mit ihrer Inbetriebnahme soll die Fahrzeit zwischen Berlin und München von derzeit mehr als sechs auf unter vier Stunden sinken. Doch Vorrang habe derzeit der Ausbau der auch für den internationalen Verkehr wichtigen "Rheinschiene", sagte Stolpe. Nach jüngsten Schätzungen geht die Schnellstrecke Erfurt-Nürnberg nicht vor 2017 in Betrieb - 26 Jahre nach Planungsbeginn.------------------------------"Eine gute Verkehrsanbindung ist wie Entwicklungshilfe."Manfred Stolpe------------------------------Foto: Wichtiges Verkehrsprojekt im Osten: Die Autobahn A 17 von Dresden nach Prag soll bis 2008 fertig werden.
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