BERLIN, 31. Juli. Das hat gerade noch gefehlt. So ein schönes Blitzturnier hatten die Verantwortlichen des 1. FC Union Berlin organisiert, mit Hertha und Schalke 04, und jetzt müssen sie mit ihren schönen Planungen ins Feindesland. "Trotz begonnenem Vorverkauf wurde das Turnier kurzfristig verlegt", meldet traurig die Homepage des Zweitligisten. Statt am sechsten wird nun am 5. September blitzgespielt, aber das ist nicht das Schlimmste. Das Schlimmste ist, dass die Party nicht mehr an der Alten Försterei steigt. Die Party steigt jetzt im Jahnstadion, der verhassten Heimstatt des ehemaligen Rivalen BFC Dynamo.Es sind nicht die Tage von Eisern Union. Erst müssen sie in den Zeitungen lustige Geschichten über ihren Stürmer Ferdinand Chifon lesen, der heimlich aus dem Trainingslager ausbüxt und mit seiner ehemaligen Mannschaft Pogon Stettin zum konspirativen Testspiel schreitet. Zusätzlich beuten die Blätter süffig den Prämienstreit aus, und anschließend kommt den Köpenickern noch der Wunschstürmer Stefan Lexa (zuletzt Unterhaching) abhanden. Ersatzweise wird der Hannoveraner Salif Keita erworben, welcher als erste Amtshandlung eine 0:3-Niederlage gegen Cottbus besichtigen darf."Krise? Solche Schlagzeilen kann ich überhaupt nicht nachvollziehen", sagt Heiner Bertram, der Präsident des Clubs. "Das ist eine stinknormale Situation, der Verein funktioniert wie ein Uhrwerk." In der Tat kann niemand Union vorwerfen, dass Profifußball im Jahr zwei nach dem Aufstieg nicht mehr charmant ist, sondern nur noch normal. Aber natürlich weiß Bertram längst, dass die Mannschaft mehrere Pfund latentes Konfliktpotenzial mit in die Saison schleppt. Noch immer schwelt die Prämiendebatte; im Vergleich zum Vorjahr hat der Verein die Sondervergütungen glatt halbiert.Mit einigem Erstaunen hat Bertram dabei die Stimme seines Kapitäns zur Kenntnis genommen. Steffen Menze hat die Kürzung der Zulagen eben erst als motivationsfeindlich gebrandmarkt. "Unser Kapitän ist ja ein Mensch, der sehr stark am Pfennig hängt", sagt Bertram vorsichtig. "Wenn eine Elf ihre Motivation von Prämien abhängig macht, habe ich dafür kein Verständnis, erst recht nicht in der jetzigen Situation."Dank der Kirch-Krise muss Union erstmals "mit einem Loch im Etat" (Bertram) in die Saison starten. Knapp 400 000 Euro groß ist das Loch, und mit den Prämieneinsparungen wäre es laut Bertram schon mal zu einem Drittel gefüllt. "Die andere Möglichkeit wäre, dass wir bei den Angestellten in unserer Verwaltung Stellen und damit Kosten einsparen, aber das ist schwer, weil bei uns eh schon wenige Leute viele Aufgaben haben", sagt Bertram.Zu allem Überfluss hat jetzt auch noch Trainer Georgi Wassilew den Vorgesetzten zum Widerspruch gereizt, indem er öffentlich die Neueinkäufe und die Stimmung in der Mannschaft kritisierte. "Ich hab dem Trainer schon oft gesagt, dass er sich mit diesem Auftreten nicht wundern muss, wenn die Boulevardzeitungen irgendwas von Krise schreiben", brummt Bertram. "Dabei sind die Neuen ja alle seine Spieler, hier wird keiner verpflichtet, den der Trainer nicht will." Es kann dem Präsidenten nicht gefallen, dass sein Trainer schon mal vorsorglich einen schwachen Saisonstart entschuldigt, den es noch gar nicht gibt.Ein bisschen Optimismus kann da nur helfen. Auf die Vereinshomepage (www.fc-union-berlin.de) haben sie sicherheitshalber schon mal die Zweitliga-Tabelle gestellt. Alle Vereine haben zwar noch null Punkte. Aber Union steht auf Platz zwei.Foto: CHRISTOPH HÖHNE Eiserner Hoffnungsträger: Salif Keita, 26, Unions neuer Angreifer.
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