Der demokratische Präsidentschaftskandidat Obama kann auf viel Unterstützung aus Hollywood zählen. Die Unterstützerliste seines republikanischen Kontrahenten McCain ist kürzer und weniger glamourös.

Viel Freund, viel Ehr, viel Hoffnung

Olivia Schoeller
6 Min

WASHINGTON. Es war ein Moment, den das Obama-Team noch lange als Sternstunde ihres Wahlkampfes feiern dürfte. Just an dem Tag, an dem Barack Obama mit 150 Millionen Dollar alle Rekorde im Spendensammeln brach, erhielt er eine kräftige Rückenstärkung: Colin Powell, ehemaliger Außenminister, ehemaliger Generalstabschef und vor allem überzeugter Republikaner, gab dem jungen Demokraten seinen Segen. "Er ist bereit", sagte Powell und empfahl, Obama zum Präsidenten zu wählen.Die Medien feierten dieses "endorsement" als die bedeutendste Empfehlung des Wahlkampfs. Vergleichbar wichtig für Obama dürfte während der Vorwahlen vielleicht höchstens die Loyalitätsbekundung von Senator Ted Kennedy gewesen sein. Als sich der Bruder des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy festlegte, war noch unklar, ob Obama Hillary Clinton besiegen konnte. Blickt man heute auf die Liste von Obamas Unterstützern, so ist der 46-Jährige der landesweite Favorit bei den Wahlempfehlungen.New York Times legt sich festNeben seinen demokratischen Parteifreunden unterstützen Obama auch etliche namhafte Republikaner. Aus der Bush-Regierung sprach sich soeben dessen früherer Sprecher Scott McClellan für den Demokraten aus, zuvor hatte schon Ex-Finanzminister Paul O'Neill die Seiten gewechselt. Bekennende Obama-Fans sind außerdem Julie Nixon, die Tochter von Präsident Nixon und Susanne Eisenhower, die Enkelin des gleichnamigen Präsidenten. Selbst der Neo-Konservative Ken Adelman, einer der starken Befürworter der Irak-Invasion, will am 4. November Obama wählen.Die Medien selbst messen ihren eigenen Wahlempfehlungen große Bedeutung bei. Jede Zeitung und auch einige Magazine sprechen sich für einen Kandidaten aus und auch hier führt Obama mit einem fast vierfachen Vorsprung vor McCain. Soeben hat sich auch die angesehene liberale Zeitung New York Times auf den Demokraten festgelegt, wie zuvor schon die Los Angeles Times und die Washington Post. Selbst die konservative Chicago Tribune, die seit Jahren nicht mehr einen Demokraten gelobt hat, hat sich für Obama ausgesprochen: "Wir haben höchstes Vertrauen in seinen Intellekt, in seinen moralischen Kompass und seine Fähigkeit, fundierte, durchdachte und vorsichtige Entscheidungen zu treffen. Er ist bereit." Im Leitartikel der New York Times vom Freitag hieß es, der demokratische Präsidentschaftskandidat habe zahlreiche Herausforderungen gemeistert, sei als Führer gewachsen und habe seine frühen Versprechungen von "Hoffnung" und "Wechsel" mit Leben gefüllt.Ex-Außenminister für McCainWenig überraschend ist Obamas große Beliebtheit in Hollywood. Die Unterstützerliste liest sich wie das Einwohnerregister von Beverly Hills: Bill Cosby, George Clooney, Jessica Biel, Jessica Alba, Brad Pitt, Glenn Close, Barbra Streisand, Scarlett Johansson. Auch Amerikas Musiker lieben den Rockstar Obama: 50 Cent, Beastie Boys, Kanye West, Shakira, Seal. Doch Obamas Koalition von Anhängern reicht weit über die Glamour-Welt hinaus. Etliche Generäle, aber auch Intellektuelle wie die Autoren Alice Walker und Philip Roth unterstützen Obama öffentlich; ebenso der Wirtschaftswissenschaftler Joseph Stiglitz und Business-Leute wie der geniale Spekulant Warren Buffett, Pepsi-Vorstand Indra Nooyi und Google-Chef Eric Schmidt.Armer John McCain. Die Liste seiner Unterstützer ist wesentlich kürzer als die seines Rivalen. Powells Empfehlung für Obama kann McCain noch relativ einfach mit der Unterstützung von vier ehemaligen Außenministern kontern: Henry Kissinger, Lawrence Eagleburger, Alexander Haig und George Shultz stehen hinter ihrem Parteifreund. Hinzu kommt nationale Prominenz wie die Evangelistenpfarrer John Hagee und Rod Parsley. Als Seitenwechsler findet man natürlich Joe Liberman in McCains Unterstützerliste. Der ehemalige Demokrat und heutige Unabhängige sollte sogar McCains Vize werden, doch die Parteibasis lehnte den Abtreibungsbefürworter ab. Debra Batoshevich, eine Demokratin und begeisterte Hillary-Clinton-Anhängerin, gehört ebenfalls zur Rebellen-Mannschaft um McCain.McCain hat auch Anhänger in Hollywood, aber bei Weitem nicht so viele und so prominente wie Obama. Jon Voight, Schauspieler und Vater von Angelina Jolie, will McCain wählen, ebenso wie die Schauspieler Dan Aykroyd, Sylvester Stallone und Michael Douglas. In der Musikwelt zieht der 72-Jährige offenbar nicht so, dafür zeigen Sportler Flagge für den Republikaner. Etliche Footballspieler und Trainer sind McCain-Fans, aber auch der Golfer Jack Nicklaus und der Rennfahrer Richard Petty.Wirkung unklarUnter den Militärs hat der Kriegsheld McCain natürlich viele Unterstützer, doch stellt er Obama damit nicht in den Schatten. Carly Fiorina, die Ex-Chefin von Hewlett-Packard, und Meg Whitman, Gründerin von Ebay, sowie Immobilienmogul Donald Trump und Steve Forbes gehören zu den namhaften McCain-Unterstützern aus der Wirtschaft. Unter den amerikanischen Zeitungen halten die New York Post, der San Francisco Examiner, der Boston Herald und etliche dutzende andere McCain für den besseren Mann im Weißen Haus.Doch bis heute ist umstritten, wie stark sich die Wähler tatsächlich von Empfehlungen beeinflussen lassen. Oft ist der Nachbar, den man kennt, ein viel überzeugender Fürsprecher für den Kandidaten als ein Star. Umfragen zufolge führt Obama deutlich unter Jugendlichen, Afroamerikanern und Frauen, während McCain noch immer einen Vorsprung bei weißen Männern hat. Am Ende wird deren Stimme entscheiden, wer Präsident der USA wird.------------------------------PRO OBAMAFoto: "Wir brauchen einen Präsidenten, der einen Generationenwechsel darstellt." Colin Powell, früher Außenminister der RepubikanerFoto: "Natürlich Obama! Die Hoffnung! Ich bete für ihn!" Gwyneth Paltrow, SchauspielerinFoto: "Ich glaube, er wäre ein wunderbarer Präsident für die Vereinigten Staaten." Will Smith, SchauspielerFoto: "Mein Herz gehört Obama, und auf diese Art und Weise bin ich zurzeit mit ihm liiert, als wären wir verlobt." Scarlett Johansson, SchauspielerinFoto: "Das Werk beginnt von Neuem, die Hoffnung wächst, der Traum lebt fort." Ted Kennedy, SenatorFoto: "Zusammen können wir alles schaffen, Obama, ihr alle!" Alicia Keys, R&B-Musikerin------------------------------PRO MC CAINFoto: "Er ist ein großer Held und ein Führer, der bewiesen hat, dass er auch mit der Gegenseite zusammenarbeiten kann." Arnold Schwarzenegger, Kaliforniens GouverneurFoto: "Es gibt in L.A. viel mehr Leute, die McCain wählen, als ihr glaubt." Angie Harmon, SchauspielerinFoto: "Seine Geschichte von der Kriegsgefangenschaft ist mitreißend. Heute dient er seinem Land in einer anderen Funktion und ich werde für ihn stimmen." Robert Duvall, Schauspieler und RegisseurFoto: "McCain ist ein unglaublicher Typ. Er wird das Land schützen und für Wachstum sorgen." Jon Voight, SchauspielerFoto: "Ich mag McCain sehr gerne." Sylvester Stallone, SchauspielerFoto: "McCain ist der beste Kandidat, um die wirtschaftliche und nationale Sicherheit zu gewährleisten." Steve Forbes, Gründer und Chef des Wirtschafts-magazins Forbes------------------------------Grafik: Ergebnisse der Wahlumfragen in den USA------------------------------Foto: "Das aufregendste Ereignis für die demokratische Partei seit Kennedy" - George Clooney (rechts) über die Kandidatur Barack Obamas

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