Der Dirigent verlässt München im Streit und geht ab 2012 nach Dresden

Thielemann setzt sich durch

Peter Uehling
2 Min

Gewisse Dinge hat man in Berlin zum Glück schon durch. Ärger mit dem Dirigenten Christian Thielemann etwa, der als Gelegenheits-Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin das Personalkarussell vor fünf Jahren so richtig in Schwung gebracht hatte: Erst wollte er mit Udo Zimmermann nicht mehr zusammenarbeiten, dem Götz Friedrich-Nachfolger, der gern Fabio Luisi als Generalmusikdirektor gehabt hätte. Dann holten Klaus Wowereit und sein Kultursenator Christoph Stölzl Thielemann zurück und versetzten Luisi einen Tritt; kurz darauf verlor auch Zimmermann seine Position.Jetzt schauen wir kopfschüttelnd nach München. Thielemann ist dort noch bis 2011 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Im Sommer hatte er eine Vertragsverlängerung verweigert, weil die Stadt seine Entscheidungskompetenz nicht erweiterte. Thielemann wollte das letzte Wort darüber haben, welche Stücke Gastdirigenten mit den Münchner Philharmonikern aufführen dürfen. Dass die Münchner sich darüber beschwerten, dass Thielemann lieber in der Weltgeschichte herumreiste und den prestigeträchtigen Beethoven-Zyklus mit den Wiener Philharmonikern aufnimmt, hat ihn nicht in seinen Forderungen beirrt. Warum auch? Seit München beschlossen hatte, Thielemann ziehen zu lassen, wird der Stadtrat von Politikern und Musikern, selbst vom Nestor der Musikkritik Joachim Kaiser, beschworen, den Mann zu halten. Wer soviel Rückenwind hat, muss sich um Kompromisse nicht bemühen.Schon gar nicht, wenn er längst eine neue Stelle hat. Thielemann konnte sein Engagement als Chef der Dresdner Staatskapelle ab 2012 praktischerweise gleich in München verhandeln: Die künftige Intendantin in Dresden, Ulrike Hessler, ist zurzeit noch Kommunikationschefin der Bayerischen Staatsoper. Dass Thielemanns Vorgänger in Dresden Fabio Luisi heißt, ist eine schöne Pointe - aber immerhin verlässt Luisi diesmal das Haus ganz planmäßig und geht nach Zürich.In München fühlt man sich geprellt, da Thielemann zuletzt immer noch behauptet hatte, es würde ihm dort gefallen. Und für die Philharmoniker mag es bitter sein - aber vielleicht ist es ein Trost, dass Thielemanns Leistungskurve in Berlin nach erstaunlichem Beginn schnell ins Lustlose drehte; die Münchner Klagen über ihn klingen, als ob sich auch dort Ähnliches abzeichnete.

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