Fußball

Der Fall Jens Härtel: Eine Kolumne über Anzeige, Sperre und Verhältnismäßigkeit

Eine anonyme Anzeige, zwölf Wochen Sperre vom DFB: Der Fall des Ex-Union-Trainers Jens Härtel wirft die Frage nach dem richtigen Umgang damit auf.

Andreas Baingo
5 Min
Um den ehemaligen U19-Trainer des 1. FC Union Berlin, Jens Härtel, ist nach einer DFB-Sperre eine Debatte über Verhältnismäßigkeit entstanden.

Um den ehemaligen U19-Trainer des 1. FC Union Berlin, Jens Härtel, ist nach einer DFB-Sperre eine Debatte über Verhältnismäßigkeit entstanden.

© Creativ Sportpicture/Lukas Thoms/imago

Manches gleicht selbst in modernsten Zeiten einem Spießrutenlauf. In dunklen Epochen hieß es auch, jemanden an den Pranger zu stellen oder ans Schandmal zu fesseln. Manchmal sogar wegen Nichtigkeiten und nur weil die Obrigkeit es so wollte, um ihre Macht, Stärke und Unantastbarkeit zu demonstrieren. Der manchmal Schuldige, manchmal aber auch Unschuldige durfte bespuckt und sogar mit Kot beworfen werden. Auf jeden Fall war es unwürdig, erniedrigend und unmenschlich sowieso.

Es ist weit ausgeholt, aber als ein solcher Delinquent muss sich seit Tagen Jens Härtel vorkommen, bis vor kurzem Trainer des U19-Teams des 1. FC Union Berlin. Bis zu dem Tag, als eine anonyme Anzeige einen Stein ins Rollen brachte, der eine Lawine nach sich zieht. Eine zerstörerische, so jedenfalls der erste Eindruck. Zumindest für den 56-jährigen Fußballlehrer. Ihm wird zur Last gelegt, in verschiedenen Zusammenhängen die Ausdrücke „Afrika-Tisch“, „Ausländerverein“ und „Schwuchtelball“ gesagt zu haben. In einer Stellungnahme an den DFB hat Härtel das Benutzen dieser Begriffe eingeräumt.

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