Der FC Bayern München siegt beim FC St. Pauli glanzlos 3:0 und zieht ins DFB-Pokalfinale ein

Gefahr in der Giftküche

BLZ
4 Min

HAMBURG. Günter Grass war gnädig gestimmt, als der Halbzeitpfiff ertönte. Er stand auf der Tribüne des Stadions am Millerntor und klatschte. Doch der Applaus des Literatur-Nobelpreisträgers galt nicht der Mannschaft, die sich für erstklassigen Fußball in Deutschland verantwortlich fühlt; er galt nicht dem FC Bayern. Vielmehr würdigte Grass die Leistung des Regionalligisten FC St. Pauli, der sich den Münchnern im Halbfinale des DFB-Pokals engagiert entgegenstemmte. Am Ende aber half alles nichts. St. Pauli unterlag 0:3 (0:1) und schied aus.Früh in der Partie hatte es ausgesehen, als würde der Favorit die Hoffnungen des Außenseiters unsentimental zerstören. Owen Hargreaves nahm einen Querpass von Bastian Schweinsteiger auf, schaute, schoss aus gut zwanzig Metern halbhoch und ließ Paulis Torhüter Achim Hollerieth unglücklich aussehen, der Ball landete zum 0:1 im Netz (15.). "In so einer Situation darf kein Tor passieren", kritisierte Paulis Manager Holger Stanislawski. "Zumal das ja die einzige Chance war, die wir in der ersten Hälfte zugelassen haben." Die Führung schläferte die favorisierten Münchner ein. Träge schoben sie sich den Ball zu, ohne Schwung, ohne Ideen, ohne Inspiration. "Da sind wir viel zu passiv geworden", rügte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des FC Bayern. Peinlich wirkte besonders, dass der Drittligist dem Rekordmeister phasenweise sogar spielerisch überlegen zu sein schien. Das hübscheste Kabinettstückchen der ersten Hälfte zeigte dann auch ein Hamburger: Michel Mazingu-Dinzey nahm eine Flanke von der rechten Seite elegant an und schoss dann direkt, doch Torhüter Oliver Kahn parierte (44.).Vermutlich war das auch besser so. Wer weiß, ob sonst nicht schon wieder die nächste Torwartdebatte über das Land hereingebrochen wäre - nachdem die letzte gerade erst mit Mühe und Not überstanden war. Kahn hatte ja schon zuvor eine Unsicherheit gezeigt. In der 28. Minute schloss er einen Moment lang die Augen und segelte friedlich an einer Flanke vorbei, die von rechts in seinen Strafraum flog. Passiert ist dabei nichts, so konnte Rummenigge beschwichtigen: "Es gibt keinen Spieler, der unfehlbar ist." Zum Dank für die freundlichen Worte zeigte Kahn später seine Stärken. Mit einem werbewirksamen Hechtsprung parierte er einen platzierten Kopfball von Felix Luz, der höher gesprungen war als Münchens brasilianischen Verteidiger Lucio (53.).Immer stärker geriet der FC Bayern unter Druck, immer konsequenter drängelte der FC St. Pauli auf den Ausgleich. Die Partie wurde emotional. Oliver Kahn fand Zeit, um Fabian Boll wegzuschubsen und anzuschreien - ein deutliches Zeichen dafür, dass er glaubte, sein Team sei in Gefahr. Kahn hatte Recht mit seiner Einschätzung. Auch Felix Magath, der Trainer des FC Bayern, beobachtete mit zunehmendem Ärger, wie arg sein Team in Bedrängnis geriet und wie wenig es dem Elan des Außenseiters entgegensetzen konnte. "Wenn man giftig ist, das mögen die Bayern gar nicht gern", merkte Luz an. Die nächste Chance vergab Thomas Meggle, der abgeblockt wurde (65.). "Wir haben lange mit dem unglaublichen Einsatz der Hamburger Schwierigkeiten gehabt", klagte Münchens Manager Uli Hoeneß. Für Entlastung sorgte allein Philipp Lahm mit einem Pfostenschuss (74.). Die Rollen waren jetzt klar verteilt: Die Hamburger stürmten, die Münchner lauerten auf Konter. Kahn rettete erneut, diesmal knapp vor Meggle (77.). Roy Makaay nutzte einen Gegenangriff, um seine Abschlussschwäche unter Beweis zu stellen: Er lief allein auf Paulis Schlussmann Hollerieth zu und drosch den Ball deutlich über das Tor (81.). Erst sein Kollege Claudio Pizarro nahm dem Spiel die Spannung. Nach einem Eckball schob er den Ball aus kurzer Entfernung zum 0:2 über die Linie (84.). Später nutzte Pizarro einen Abwehrfehler gar noch zum 0:3 (89.). (BLZ)------------------------------"Ich habe nicht viel gesehen vom FC Bayern." Felix Luz------------------------------Foto: Haarige Angelegenheit: Felix Luz vom Regionalligisten FC St. Pauli (r.) probt den Aufstand gegen Bayerns brasilianischen Verteidiger Lucio.

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