BERLIN. Bojan Krkic ist der wohl kleinste Mittelstürmer der Welt. Nur 1,70 Meter ist er groß und damit - was zumindest für den Dienstagabend gilt - aus Sicht seines Arbeitgebers, dem FC Barcelona, eindeutig mindestens zwei Zentimeter zu klein. Denn in der 90. Minute des Champions-League-Halbfinals gegen den FC Chelsea London verpasste der Spanier mit kroatischen Wurzeln nach einer Flanke von Daniel Alves das 1:0. Der Ball strich Krkic über den Scheitel und landete hinter dem Tor. Und so blieb es beim torlosen Remis, dass den Engländern die gewünschte Ausgangsposition verschaffte. "Defensiv haben wir heute sehr gut gespielt, allerdings vor allem in der ersten Hälfte zu schnell den Ball verloren", resümierte Chelseas Trainer Guus Hiddink, der allerdings eine eher defensive Prognose fürs Rückspiel abgab: "Die Chancen stehen immer noch 50:50."Hiddink hatte auf den gelbgesperrten Linksverteidiger Ashley Cole verzichten müssen. Was die spannende Frage zur Folge hatte, wen denn nun Hiddink gegen den derzeit wohl effektivsten Offensivspieler der Welt, gegen Lionel Messi, antreten lässt. Hiddink brachte als Messi-Opponenten José Bosingwa, dazu die nicht allzu überraschende Weisheit ins Spiel, dass man Messi am besten gar nicht ins Spiel kommen lässt. Dass man die zahlreichen Passwege, die aus dem spanischen Kurzpassgeflecht auf Messi zulaufen, immer wieder unterbricht, damit er nicht so extrem viel Einfluss auf den Lauf der Dinge gewinnt wie gewohnt. Ein hehrer Ansatz, der ein enorm hohes Laufaufkommen im Mittelfeld und ein hohes Maß an Spielverständnis erfordert.Deutscher bestraft DeutschenUnd tatsächlich bekam Messi erst nach acht Minuten erstmals die Gelegenheit, einen seiner kreuzgefährlichen Parallelläufe zur Sechzehnmeterlinie zu starten. Nach einer Viertelstunde war aber klar, dass die Londoner das taktische Rüstzeug und die Athletik haben, um Ästhetik zu verhindern. Sie konnten Barcelona mit ausgeprägter Körperlichkeit in den Kampf der Kulturen verwickeln, in den Streit der Philosophien, der nach mehreren atemberaubenden Begegnungen zwischen den beiden Klubs durchaus als klassisch bezeichnet werden darf.Allerdings entwickelte sich aus der Gegensätzlichkeit an diesem Abend keine offene Feldschlacht, weil Chelsea jedes Risiko scheute, den Versuch der Spieleröffnung oft mit einen Rückpass zu Torhüter Petr Cech oder eben mit einem Befreiungsschlag als beendet erklärte. Die Raumtöter und Rhythmusstörer aus London arbeiteten nach Hiddinks Auftrag, den auch Michael Ballack durchaus überzeugend erfüllte. Nur zwei Mal fiel Ballack an diesem Abend noch auf. Einmal in der ersten Hälfte, als er Thierry Henry trat und dafür von Schiedsrichter Wolfgang Stark die Gelbe Karte zu sehen bekam. Einmal in der zweiten Hälfte, als er nach einem Freistoß den Ball mit dem Kopf übers Barças Tor jagte.Konzentrationsmängel und Schwächen in der Zweikampfführung waren auf Seiten des Premier-League-Clubs an sich nur bei Alex auszumachen, der mit John Terry die Innenverteidigung bildete. Letztlich gestaltete sich Barcelonas Torannäherung aber weiterhin ungewohnt kompliziert. Erst in der 34. Minute konnte Henry mit einem Flachschuss aus 20 Metern Cech zur Parade zwingen.Auf diesem Level werde jeder Fehler bestraft, hatte Hiddink in einer weiteren, auch nicht allzu exklusiven Weisheit kundgetan. Hiddink irrte. Sechs Minuten vor dem Halbzeitpfiff misslang Barças Abwehrmann Rafael Marquez ein Rückpass, der Didier Drogba in eine Penaltysituation gegen Torhüter Victor Valdez brachte. Doch Drogba wütete den Ball nur aufs Tor und scheiterte mit Ungenauigkeit an Valdez.Die Blues setzten ihren Kraftmarsch am Rande des Regelwerkes fort, foulten taktisch im richtigen Moment, setzten ihre Extremitäten immer wieder geschickt als Abwehrschilder ein. Und wenn sich Barças Offensivkräfte doch einmal freispielen konnten, wie Daniel Alves in der 62. Minute, war Cech zur Stelle, der zuletzt erstaunliche Schwächen gezeigt hatte, im Camp Nou jedoch von Minute an Minute an Sicherheit gewann. So konnte der tschechische Auswahlkeeper auch den Versuch von Samuel Eto'o abwehren, dem nach einem Solo über den halben Platz beim Abschluss allerdings auch die Kaltschnäuzigkeit fehlte. Genauso wie dem eingewechselten Alexander Hleb in der Nachspielzeit. (BLZ)------------------------------Foto: Gute Beinarbeit: Chelseas Alex trennt Barcelonas Messi vom Ball.
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