BERLIN. Es waren 90 Minuten, die zur Legendenbildung taugen. 90 Minuten, mit denen der englische Fußball einmal mehr den Nachweis erbracht hat, dass er zuverlässig wie keine andere europäische Spielart Spektakel liefert. Nach unglaublichen Wendungen, nach einer berauschenden Torfolge hieß es am Dienstagabend an der Stamford Bridge zwischen Chelsea London und dem FC Liverpool 4:4 (0:2). Ein bemerkenswerter Remis, mit dem das glückliche Chelsea das Fortkommen in das Halbfinale der Champions League perfekt machte.Dabei hatte Guus Hiddink noch ausgiebig gewarnt. Vor Leichtsinn nach dem 3:1 aus dem Hinspiel, aber auch vor der Klasse und Leidenschaft der Reds, die in den vergangenen Jahren schon mehrfach den Nachweis erbracht hatten, dass sie insbesondere in Ausscheidungswettbewerben unheimliche Kräfte freisetzen können. Dass die Angst vor dem K.o. sie zu einer unbändigen Angriffsmaschine werden lässt, die alles überrollen kann, eben auch eine von Hiddink instruierte Auswahl.An sich sollte sich Michael Ballack zusammen mit Michael Essien um die Sicherung des eigenen Tores kümmern, der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft - übrigens weitgehend wirkungslos an diesem Abend - war allerdings bereits in der 12. Minute nur Zuschauer, als Yossi Benayoun mit einem Direktpass Fernando Torres freispielte, der allerdings beim Abschluss nicht wie gewohnt kaltschnäuzig vollstreckte. So blieb es Fabio Aurelio vorbehalten, für den Moment zu sorgen, der den Glauben an die Wende stiftete. Chelseas Torhüter Petr Cech erwartete seinen Freistoß als Flankenball, doch Aurelio wählte den direkten Torschuss und düpierte damit den tschechischen Nationaltorwart, der mit seiner Gesamtleistung an diesem Abend seinen erstaunlichen Formverfall bestätigte.Es war das kuriose 1:0 in der 19. Minute, das den Blues in Abwesenheit von Abwehrchef John Terry (Gelbsperre) jegliche Souveränität raubte, das sie nervös machte, allen voran Bransilav Ivanovic, der nach seinen beiden Treffern in Liverpool noch als Guus Hiddinks Entdeckung gefeiert worden war. So sah sich der Serbe in der 28. Minute nach einem weiteren Aurelio-Freistoß im eigenen Strafraum zu einem Zupfer am Trikot von Xabi Alonso gezwungen. Der Gefoulte verwandelte den Strafstoß sicher zum 2:0. Chelsea wankte, schlug in der zweiten Hälfte allerdings mit Wucht zurück.Zunächst verkürzte Didier Drogba (51.). Sechs Minuten später traf Brasilianer Alex mit einem fulminanten Freistoß zum Ausgleich, Frank Lampard markierte in der 76. Spielminute das 3:2. Was die Liverpooler jedoch nicht als Vorentscheidung akzeptierten. Sie kamen durch Lucas zum 3:3 (81.), durch Dirk Kuyt (82.) sogar noch einmal in Front und träumten - bis Frank Lampard 120 Sekunden vor Spielende den Schlusspunkt setzte. (BLZ)------------------------------Zu zögerlichNotarztbericht: Am 15. April 1989 kommen im Hillsborough Stadium, beim FA-Cup-Halbfinale zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest, nach einer Panik auf den Tribünen 96 Menschen ums Leben, 766 werden zum Teil schwer verletzt.Taylor-Bericht: Die Ursachen enthüllte der sogenannte Taylor-Bericht. Danach leiteten die Ordnungskräfte die auf die Leppings Lane strömende Menge nicht zu Nebenaufgängen um und reagierten zu zögerlich, als sich das Unglück abzeichnete.------------------------------Foto: Charade: Torschütze Didier Drogba mimt den Glücksvogel.
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