Der Fernsehjournalist Peter von Zahn starb 88-jährig

Die Reportage war seine Leidenschaft

Klaudia Brunst
3 Min

Seine "Bilder aus der neuen Welt" prägten eine ganze Fernsehgeneration. Nur sechs Jahre nach Kriegsende ging der Journalist Peter von Zahn als erster deutscher Auslandskorrespondent nach Amerika. Weil sich der NWDR die Kosten für das Washingtoner Büro nicht allein leisten konnte, die US-Regierung aber an einem positiven Amerikabild in Deutschland interessiert war, sponserte das Presseamt der USA von Zahns Reportagen und Berichte. Als der Deutsche aber auch Kritisches mitzuteilen wusste - zum Beispiel über Rassendiskriminierung - stellte das Weiße Haus die Zuschüsse ein. Der Journalist von Zahn fühlte sich nichts so verpflichtet wie der Wahrheit. Deshalb wird er vielen TV-Reportern ein Vorbild bleiben. Am Donnerstag starb Peter von Zahn im Alter von 88 Jahren.Von Zahn kam eher zufällig zum Journalismus. Der Sohn einer Dresdner Offiziersfamilie, deren Ahnentafel bis zum Dichter Lessing zurückreicht, studierte Jura, Geschichte und Philosophie. Mit Kriegsbeginn 1939 eingezogen, wurde er zur Propaganda-Abteilung der Wehrmacht abkommandiert. Aus seiner "Kriegsberichterstatter"-Vergangenheit machte er später nie ein Geheimnis. Nach dem Krieg arbeitete er als Gefangenendolmetscher für die britischen Besatzer, schließlich übertrugen ihm die Engländer die Abteilung "Wort & Kommentar" des "Radio Hamburg". Mit großer Überzeugung orientierte sich von Zahn an der angelsächsischen Journalismus-Tradition, Fakten und Meinung strikt zu trennen, und half, den NWDR nach britischem Vorbild als öffentlich-rechtliche Sendeanstalt aufzubauen.Zum unverwechselbaren Markenzeichen wurde seine bedächtige, heisere Sprechweise, die man wohlwollend als aristokratisch bezeichnen könnte, deren unvermittelte Atempausen in Wahrheit aber auf die fehlende Sprecherziehung hinwiesen. Diese gebrochene Diktion war freilich programmatisch für die ARD-Pioniere. Man wollte als entnazifizierende Hörschule verstanden werden: "Wir änderten die deutsche Sprache", erinnerte sich von Zahn , "indem wir ihr das Kommando-Brüllen abgewöhnten."Seine Auslandskorrespondenzen, vor allem vom ersten USA-Aufenthalt, machten den Journalisten Peter von Zahn berühmt. Daheim staunte man über die wohlerzogene Lässigkeit seiner Reportagen. Aber auch wenn von Zahn sichtbar vom amerikanischen "Way of life" inspiriert war, so wahrte er bei aller Neugier und Begeisterung doch immer Distanz. Bei seinen Entdeckungsreisen durch den amerikanischen Alltag half dem Journalisten sein Talent zur Selbstironie - und seine Familie. Denn auch die Lebenswirklichkeit seiner Frau Christa und der fünf Töchter fanden regelmäßig Einzug in die Reportagen.1960 verließ der Mitbegründer die ARD. Mit seiner Produktionsfirma "Windrose" setzte er seine Arbeit in aller Welt fort und wurde mit vielen Preisen geehrt. Bei der ARD gab der Kosmopolit 1967 ein kurzes Gastspiel als Moderator des neuen Politmagazins "Report". Seine Leidenschaft blieb aber die Reportage. Mehr als 1 000 Filme hinterlässt Peter von Zahn der Fernsehgeschichte. Auf die Frage, was ihn am heutigen Fernsehen am meisten störe, antwortete er mit gewohnt bedächtiger Stimme: "Die Schnelligkeit."

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