PEKING. Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton hat bei seinem überraschenden Besuch in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang gestern die Freilassung der inhaftierten US-Journalistinnen Laura Ling und Euna Lee erreicht. Amtliche Medien des Landes meldeten gestern Abend, Machthaber Kim Jong Il habe die beiden Frauen nach seinem Gespräch mit Clinton begnadigt. Wie ein US-Fernsehsender unter Berufung auf ein Mitglied der Clinton-Delegation berichtete, sollen die beiden Amerikanerinnen bereits heute mit Clinton in die USA zurückkehren.Die Journalistinnen waren Mitte März nahe der chinesisch-nordkoreanischen Grenze bei Dreharbeiten für einen Film festgenommen worden. Sie wurden wegen "schweren Verbrechens gegen die koreanische Nation und illegalen Grenzübertritts" zu jeweils zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt.Nach seiner Ankunft in Pjöngjang war Clinton mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il zusammengetroffen. Es war das erste Gespräch eines hochrangigen US-Politikers seit neun Jahren mit dem Staatschef. Welche Verhandlungsaufträge Clinton für die Gespräche mit Kim von seiner Frau, Außenministerin Hillary Clinton, mitbekommen hatte, wurde nicht bekannt.Kims Propaganda-CoupDie Beziehungen zwischen Nordkorea und dem Rest der Welt, besonders den USA, sind seit Pjöngjangs zweitem Atombombentest Ende Mai äußerst gespannt. Vor diesem Hintergrund ist Clintons Besuch für Kim vor allem ein Propaganda-Coup. Vorab hatte Pjöngjang den Amerikanern sogar das ungewöhnliche Zugeständnis abgerungen, dass seine Staatsmedien zuerst über die Reise berichten dürfen. Und so meldete gegen Mittag als erste die Nachrichtenagentur KCNA Clintons Ankunft. Seine Entourage wurde am Flughafen von Parlaments-Vizepräsident Yang Hyong Sop und Vize-Außenminister Kim Kye Kwan empfangen.Bei aller Heimlichkeit der Reise darf davon ausgegangen werden, dass Clinton kaum ohne vorherige Zusagen für eine erfolgreiche Mission nach Nordkorea gereist sein dürfte. Durch die Freilassung der Reporterinnen ist der Besuch allerdings nicht nur für Kim Jong Il ein Coup, sondern auch für Bill Clinton. Obwohl er nicht in offizieller Mission unterwegs war, dürfte er zumindest versucht haben, Kim zur Rückkehr zu den Pekinger Sechs-Parteien-Gesprächen zu bewegen. Sollte dies gelungen sein, wird Bill seiner Frau Hillary nochmals die Show stehlen. Nachdem er nun schon den ersten echten Erfolg ihrer bisher nicht eben glänzenden Amtszeit erreicht hat.------------------------------Foto: (2) Wieder frei: die US-Journalistinnen Laura Ling (l.) und Euna Lee.
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