Der Garten als Konfliktzone

Barbara Klimke
3 Min

Es ist nicht leicht, ein Monarch zu werden: König oder Königin ist kein klassischer Ausbildungsberuf. Die jetzige Amtsinhaberin in Großbritannien hat ihre Lehre noch zu Kriegszeiten begonnen und unter anderem Lastwagen repariert. Ihr Enkel, der ihr auf den Thron folgen soll, bereitet sich in der Armee auf seine Aufgaben vor und lernt bei der Luftwaffe fliegen. Teil des Trainings mit dem Hubschrauber, erklärte ein Heeressprecher, sei die Landung auf Feldern und begrenzten Flächen, weil diese Fähigkeiten in Konfliktzonen wie Irak und Afghanistan lebenswichtig sind. Prinz William (25) ist also zur Übung auf begrenztem Feld gelandet: im Garten des Familienanwesens seiner Freundin Kate. Das ist zwar keine Konfliktzone, aber immerhin hat er sich an die Vorschriften gehalten.Der Flug hat Staub aufgewirbelt, nicht nur im Garten der Middletons, die den Abstecher des Prinzen übrigens zauberhaft fanden, sondern im gesamten Königreich, und die Kommentatoren waren weniger entzückt. Chinook-Helikopter seien wichtige Transportmittel der Streitkräfte am Hindukusch, hieß es, deshalb verböten sich mit Rücksicht auf die kämpfende Truppe Extratouren jeder Art. Zumal durchsickerte, dass William Windsor, wie er in der Armee heißt, den Hubschrauber auch übers Wochenende nutzte: Er flog zum Junggesellenabschied seines Cousins Peter Philips auf die Isle of Wight und sammelte auf dem Weg dorthin noch seinen Bruder Harry (23) ein.Die Royal Air Force beeilte sich, die Stippvisiten als genehmigte Übungseinheiten zu deklarieren. Auch ein Thronfolger müsse lernen, über Wasser zu fliegen; und auf dem Rasen der Middletons sei er nicht aus dem Cockpit gestiegen. Überzeugend klang das nicht, weil die Armee durch die Rechtfertigung der Eskapaden ihren eigenen PR-Coup zerstörte. Ende Februar war dem Verteidigungsministerium einer der größten Propagandaerfolge der jüngeren Geschichte gelungen, als Harry, Williams Bruder, ohne Wissen der Öffentlichkeit in Afghanistan diente. Alle Medien des Landes wurden mit einem Stillschweigeabkommen in die nationale Pflicht genommen. Auch Prinzen können ohne Ansehen der Herkunft in den Streitkräften dienen, hieß es stolz, als die Sache dann doch rauskam.Dass William mit dem Armee-Hubschrauber Freunde und Verwandte besucht, ist umso erstaunlicher, als selbst Queen Elizabeth heute auf derlei hoheitliche Vergünstigungen zu verzichten lernt. Ihre Yacht wurde vor Jahren aus dem Verkehr gezogen, und einen neuen Jet, den Regierung sowie Königliche Familie nutzen, wird es wohl nicht geben. Genehmigt wird allenfalls ein Kleinflugzeug. Prinz Charles, der Vater Williams und Harrys, vermeidet Flugverkehr ohnehin gern aus ökologischen Gründen.William indes stieg bei der Royal Air Force diese Woche in einen Tornado um, der zu schnell sein dürfte, um in Kates Garten zu landen. Im Sommer wird seine Ausbildung zum König dann in der Marine fortgesetzt. Von Seegrundstücken der Middletons ist bisher nichts bekannt.------------------------------Foto: Prinz William, Hubschrauber-Pilot der Royal Air Force

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