Faszinierend, großzügig, quirlig, atemberaubend - diese Prädikate geben die Fahrgäste dem neuen Berliner Hauptbahnhof, wenn man sie nach dem Glaspalast fragt. Vor gut zwei Jahren eröffnet, ist er längst zu einem Wahrzeichen der Hauptstadt geworden. Täglich werden dort mehr als 300 000 Reisende und Besucher gezählt, an den Bahnsteigen halten 300 Fern- und Regionalzüge. Zwar wurde der Hauptbahnhof im vergangenen Jahr zum "Bahnhof des Jahres" gekürt, doch das Umfeld wirkt noch immer wenig einladend. Denn der Bahnhof steht einsam in einer Sandwüste. Nun hat das Land Berlin gemeinsam mit Privatinvestoren und Deutscher Bahn Konzepte entwickelt, wie die Brachflächen bebaut werden können.Nördlich und südlich des Hauptbahnhofs am Europaplatz und am Washingtonplatz werden in den kommenden Jahren fünf Hotels mit mehr als 1 700 Zimmern errichtet, der Standard reicht von zwei bis zu fünf Sternen. Noch in diesem Jahr will die Meininger-Hotel-Gruppe aus Berlin mit dem Bau eines Zwei-Sterne-Hauses am Südausgang des Bahnhofs beginnen. Im kommenden Jahr folgt das Immobilienunternehmen Vivico, das im Lehrter Stadtquartier drei Hotels sowie ein Konferenzzentrum für 3 500 Besucher bauen wird.Ein ähnliches Konzept verfolgt die Meermann-Chamartin-Gruppe nördlich des Bahnhofs, die dort ein Vier-Sterne-Haus mit 400 Betten plant. "Der Standort ist robust genug, um mehrere Hotels zu vertragen", sagt Vivico-Sprecher Markus Diekow. Die Investitionssumme für die Hotels und die Konferenzzentren beträgt insgesamt fast eine halbe Milliarde Euro.Für das Bürohaus auf dem Washingtonplatz, das ursprünglich als neue Zentrale der Deutschen Bahn AG im Gespräch war, gibt es allerdings noch keine Nutzer. Die Vivico überlegt dennoch, schon jetzt mit dem Bau zu beginnen - auf eigenes Risiko. Auch für den bis zu 100 Meter hohen Büroturm am Europaplatz fehlen bisher noch die Interessenten.Kunst am HafenDass der Hauptbahnhof ein wichtiger Ort für die Entwicklung Berlins ist, kann man nach Ansicht von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) schon jetzt sehen und spüren. Das Land legt viel Wert auf einen neuen Kulturstandort, der sich am benachbarten Humboldthafen entwickeln soll. Seit Oktober bietet der Senat 12 000 Quadratmeter Brachflächen auf der nördlichen und westlichen Seite des Hafenbeckens zum Verkauf an. Eine Kunsthalle mit einer Ausstellungsfläche von 2 000 Quadratmetern sowie ein Museum für zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts, in dem eine "bedeutende Sammlung" ausgestellt werden soll, sind vorgesehen. Als möglicher Investor gilt der Unternehmer Nicolas Berggruen. Der Sohn des verstorbenen Kunstsammlers Heinz Berggruen hatte schon im Juni sein Interesse am Bau eines Kunstmuseums geäußert. Außer für Kunst gibt es am Humboldthafen auch Platz für Restaurants, Hotels, Büros und Wohnungen.Als Kulturstandort hat der Bereich nördlich der Invalidenstraße mit Hamburger Bahnhof und Flick Collection sowie vielen Galerien längst einen Namen in der Kulturszene. Deshalb soll dieses Gebiet weiter zu einem Kunstcampus ausgebaut werden. "Die neue Kunsthalle und das Museum würden den Standort zusätzlich stärken, obwohl wir uns nicht mit der Museumsinsel vergleichen dürfen", sagt Vivico-Sprecher Diekow. Die Vivico entwickelt derzeit gemeinsam mit Senat und Deutscher Bahn das Konzept für das 40 Hektar große Gebiet entlang der Heidestraße. So sind am Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal Flächen für Wohnen vorgesehen. Am Kanal ist eine bis zu 30 Meter breite, öffentliche Uferpromenade geplant. Um das Leben dort noch attraktiver zu machen, soll ein 40 Meter breites und 100 Meter langes Wasserbecken künstlich angelegt werden. Architektonische Akzente wollen die Planer an der Invalidenstraße und im Norden an der Perleberger Straße setzen: die Büro- und Geschäftshäuser dort sollen höher als die sonst in Berlin üblichen 30 Meter gebaut werden dürfen - wohl 50 bis 80 Meter hoch.------------------------------Grafik: Hauptbahnhof------------------------------Grafik: Der Hauptbahnhof im Zentrum eines neuen Stadtviertels: Mehrere Milliarden Euro werden in Kunsthallen, Bürohäuser, Hotels und Wohngebäude investiert.------------------------------Grafik: Das neue Meininger-Hotel soll unmittelbar neben dem Hauptbahnhof errichtet werden. Das Zwei-Sterne-Haus wird über 300 Zimmer verfügen. Die ersten Gäste sollen im Frühjahr 2010 empfangen werden.------------------------------Foto: Bahnhof des Jahres. Mit diesem Prädikat wurde die Anlage 2007 von der "Allianz pro Schiene" ausgezeichnet. Die Jury verwies auf die vielen Angebote im Bahnhof, die guten Ergebnisse von Kundenbefragungen und auf die schöne Architektur.------------------------------Foto: Tief hinab. Im zweiten Obergeschoss halten die Züge in Ost-West-Richtung, im zweiten Untergeschoss verlaufen die Nord-Süd-Gleise. Dazwischen liegen 25 Meter. Über 50 Fahrtreppen und sechs Panoramaaufzüge über- winden in dem Turmbahnhof (so das Fachwort) diese Distanz.------------------------------Foto: Mitten im Grünen. Berlin kann sich glücklich schätzen. Welcher Großstadt-Hauptbahnhof hat so viele Grünanlagen in der Nähe? Und dann ist da noch die reizvolle Lage an der Spree, die sich auf diesem Bild hinter dem Rasenstück des Spreebogen-Parks verbirgt. Berlins Hauptbahnhof hat kein Rotlichtviertel vor der Tür wie sein Kollege in Frankfurt am Main und er wird nicht zwischen Häusern eingekeilt wie "München Hbf.".------------------------------Foto: Ein gigantisches Schaukelpferd. So nannte man im Bezirksamt Mitte die umstrittene, fast zehn Meter hohe Skulptur aus Edelstahl und Aluminium, die Bahnchef Hartmut Mehdorn 2007 auf der Nordostseite des Hauptbahnhofs enthüllt hat. Jürgen Goertz hat das "Rolling Horse" geschaffen.------------------------------Foto: Wo alles begann. 400 Meter entfernt befindet sich das Gebäude des Hamburger Bahnhofs. 1846 fuhr hier erstmals ein Zug ab, schon 1884 endete der Betrieb. Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf wird hier moderne Kunst gezeigt.
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