Eigentlich kann man sich Theo Sommer nicht als gesetzten älteren Herren vorstellen, auch wenn er heute 75 wird. Dem Ernst des Lebens hat er immer mit einem jugendlichen Hang zu Scherz und Ironie, zum befreienden Lachen getrotzt, auch auf eigene Kosten. Für den Chefredakteur Sommer, der 20 Jahre lang das Wochenmagazin Die Zeit geleitet und viel zu seinem Erfolg beigetragen hat, war das keine unwesentliche Eigenschaft. Der Job fordert Kraft und Härte, insbesondere wenn man zwischen einer schwierigen Redaktion und einem noch schwierigeren Verleger steht. "Autorität kommt von Autor", pflegte Sommer zu sagen, aber er war nicht nur ein bedeutender Schreiber, sondern auch ein kluger und geschickter Teamchef.Theo Sommer gilt als einer der großen Journalisten der Bundesrepublik, und obwohl er von 1992 bis 2000 noch einer der Herausgeber der "Zeit" war, tut man ihm kein Unrecht, wenn man einschränkend sagt, dass sein Einfluss besonders in der "alten Bundesrepublik" groß war. Er war zwar nicht wie der ehemalige "Spiegel"-Chefredakteur Erich Böhme gegen die Wiedervereinigung, aber er versprach sich auch nicht viel davon.Noch kurz vor dem Zusammenbruch der DDR, war er durch das Land gereist und hatte dem Honecker-Regime in einer Artikel-Serie bestätigt, von der Bevölkerung weitgehend akzeptiert zu werden. Im Sommer 1989, als die Flüchtlingswelle aus der DDR täglich anschwoll, schrieb er: "Wer heute das Gerippe der deutschen Einheit aus dem Schrank holt, kann alle anderen nur in Angst und Schrecken versetzen." Sommer drückte damit nur aus, was viele Intellektuelle in den westdeutschen Medien dachten, auch seine Förderin und Vorgängerin im Chefredakteursamt der "Zeit", Marion Gräfin Dönhoff.Ein Brandt-BewundererDennoch war Sommers Einschätzung der Lage damals nicht völlig falsch. Journalisten müssen aber mit dem Risiko leben, dass sich die Geschichte um ihre rationalen Analysen nicht kümmert und darüber hinwegrollt. Theo Sommer war kein Politiker und wollte es auch nie sein, sonst wäre er wie der von ihm bewunderte Willy Brandt in diesem historischen Augenblick der Wirklichkeit vielleicht näher gewesen. Wenn er von Willy Brandt spreche, bekomme er immer noch (Dezember 1973) "sanfte Augen", hatte Sommers Verleger Gerd Bucerius einst gespottet. Bucerius, ein Liberalkonservativer und unruhiger Geist, hielt seinen Chefredakteur gelegentlich für zu linksliberal, und obwohl er ihn schätzte, machte er ihm das Leben schwer. Er schrieb im eigenen Blatt gegen Sommer und versuchte dessen Macht in seinen letzten Amtsjahren zu begrenzen - ohne großen Erfolg.Der "Bube der Gräfin"Das Glück der Tüchtigen war dem in Konstanz geborenen und im Schwäbischen aufgewachsenen Theo Sommer während des Studiums in Tübingen und Harvard in Gestalt seiner Lehrer Theodor Eschenburg und Henry Kissinger begegnet. Eschenburg, Lübecker Hanseat wie Thomas Mann, Staatsrechtler und hochgeachteter Kritiker der Adenauer-Zeit, hatte Sommer der Gräfin Dönhoff empfohlen, die ihn auch für die "Zeit" engagierte. Fortan galt er als der "Bube der Gräfin". Studienaufenthalte in den USA weckten seine Vorliebe für das Angelsächsische, das Seminar bei Kissinger führte ihn in die Welt der Sicherheitspolitik ein. 1969 holte ihn Helmut Schmidt, damals Verteidigungsminister der sozialliberalen Koalition, in sein Amt. Nicht zuletzt der Freundschaft zwischen den beiden ist es zu verdanken, dass sich Schmidt später bereit fand, Mitherausgeber der "Zeit" zu werden. Sicherheitspolitik und Bundeswehr blieben Sommers Lebensthema.Seine Standfestigkeit zeigte sich auch 1978 bei der Reise einer Chefredakteursgruppe nach China. Als Ranghöchster musste er nach den offiziellen Essen jeweils die Dankesrede halten und die Trinksprüche mit ungezählten Maotai-Schnäpsen herunterspülen. Das hinderte ihn nicht, eifrig Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln und diese schon wenige Wochen nach der Reise als Buch vorzulegen. Wäre er nicht ein schneller Arbeiter, hätte Theo Sommer seine gewaltige Lebensleistung - Chefredakteur und Herausgeber, Mitglied von Stiftungen und Kommissionen, Verfasser zahlreicher Bücher - kaum vollbringen können. Darunter litten, wie er selber sagt, auch seine Ehen. Er ist zum dritten Mal verheiratet.In den letzten Jahren der Ära Sommer war die "Zeit" in eine Krise geraten. Die Auflage war weit unter 500 000 Exemplare gesunken und die wirtschaftliche Basis gefährdet. Nach dem Verkauf des Blattes durch die Bucerius-Erbin Hilde von Lang an den Stuttgarter Holtzbrinck-Verlag räumte Sommer im Jahr 2000 seinen Herausgeber-Sessel. Sein Interesse an den öffentlichen Dingen, sei es als Autor oder als Vorstandsmitglied großer Organisationen, ist damit aber nicht erloschen.------------------------------Foto: Theo Sommer ist der Wochenzeitung Die Zeit als Autor weiterhin verbunden.
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