Der zweite Roman von Ocean Vuong beginnt mit einem grandiosen Satz: „Das Schwerste auf der Welt ist, nur einmal zu leben.“ Darüber denkt man beim Lesen sofort nach. Folgt dann der Geschichte, wie der 19-jährige Hai, depressiv, tablettenabhängig, die zweite Hauptfigur, die 82-jährige, schon ziemlich demente Grazina kennenlernt.
Auf den Streben einer Brücke balanciert Hai. Auf ihrem Balkon im Haus neben dem Fluss hängt Grazina Wäsche auf. Erkennt, was der junge Mann vorhat, beschwört ihn, das nicht zu tun, sondern zu ihr zu kommen. Eine furiose Szene mit tobendem Wasser und in einem so heftigen Sturm, dass es fast alle Wäschestücke Grazinas von der Leine und in den Fluss reißt. Aber Moment: Vuong beschreibt nicht, dass Hai und Grazina Probleme hätten, sich aus doch sicherlich einiger Entfernung zu verständigen – und wie laut kann ein Fluss sein?
Prekariat in den USA
„Der Kaiser der Freude“: Die kleinen Lügen zum Überleben
Der amerikanische Traum ist ausgeträumt. Ocean Vuongs zweiter Roman könnte ruhig etwas nüchterner mit der Sprache umgehen. Die Buchkritik.
Sylvia Staude
6 Min
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Ocean Vuong erzählt von Menschen, die sich selbst oder anderen was vormachen.
© Tom Hines
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